1
Ich ward von Groll und Gram verzehrt,
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Die Welt schien mir verachtungswerth,
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Ein Frauenbild hat mich bekehrt.
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Da sie zuerst mein Auge sah,
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Ich wußte nicht, wie mir geschah,
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Aus tiefstem Herzen rief ich da
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Seitdem dünkt mir an Glück so reich
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Die Welt, getröstet auch zugleich,
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Und alles Harte mild und weich.
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Ich seh' den Jammer und den Schmerz,
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Ich seh' das Elend allerwärts,
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Ich wein' und dennoch ruft mein Herz
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Mit solchem Zaubertalisman,
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Der Wunder hat an mir gethan,
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Blick' ich im Leben himmelan.
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Mir ist so worden hell und licht,
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Wenn jetzt im Tod mein Auge bricht,
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Ich rufe doch und fürcht' mich nicht:
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Hier hielt der Märchenerzähler inne. –
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Und der Versammlung war ganz seltsam zu Sinne.
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Wie ein Windhauch im Schilf geht von Rohr zu Rohr,
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So ging ein Geflüster von Ohr zu Ohr,
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Und von allen Lippen klang es da
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Eine Weile war's still nach diesem Lied,
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Dann rief der erste, von Spott durchglüht:
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O hilf ihm doch, o große Noth!
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Der ärmste liebt und härmt sich todt.
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Der zweite macht ein Grimassengesicht
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Was ich ihm sagen kann, ist nicht viel.
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Es ist die Lieb' ein Trauerspiel,
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Mit Narrheit wundersam gepaart,
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Eine Komödie von solcher Art,
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Wie der Marder den Mörder im Taubenhaus spielt,
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Wie die Katze den Liebhaber einer Maus spielt.
45
Da rief der erste gut gelaunt
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Hopsa, mein Held! bist du auch in Schwermuth?
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Deine Worte sind ja der wahre Wermuth.
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Wie kann man so pudelnärrisch sein?
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Liebe ist lieblicher denn Wein.
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Die sind es eben, die Weisheit üben,
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Nur die leben, die da lieben.
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Mit dem Spruch bin ich heiter geblieben bislang,
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Und so will ich weiter lieben mein Leben lang.
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Darauf vom zweiten die Antwort klang:
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Bist doch noch ein kindischer Ritter,
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Kennst nicht den Spruch: Das Weib ist bitter!
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Den sprach eine Weisheitszunge.
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Geh' in die Schule, lieber Junge,
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Vielleicht singst du auch Halleluja.
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Gott segne deine Studia!
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Dabei legt er die Händ' ihm auf den Kopf;
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Der aber, nicht faul, faßte jenen am Schopf,
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Und so schnell Einer zieht ein Schwert aus der Scheide, –
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In diesem Augenblick fuhr von der Thür' heran
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Ergriff die Laute von der Bank und mit klingendem Getos
71
Schlug er auf die sich Prügelnden los
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Und klitsch und klatsch,
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Daß die beiden auseinanderstoben im Hui und im Nu,
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Und der dritte sah ganz erschrocken zu. –
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Der seit den letzten Worten in der Thür thät stehn
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Von den dreien im Zimmer ungesehn.
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Der wischte sich jetzt, vom Schlagen noch heiß,
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Mit dem Aermel aus der Stirn den Schweiß,
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Holt er tief Athem und begann:
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O ich armer, geschlagener Mann!
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Kaum kann man drehen von hier den Rücken,
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So muß man sehen neue Tücken.
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Was war's denn nun? was fuhr euch wieder
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Daß ihr euch hier die Hälse brecht?
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Thut auf das Maul, redet, sprecht!
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Aber der Lehrer rief ganz empört:
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Wie, über die Liebe fragt ihr euch,
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Und darüber schlagt ihr euch?
99
O ich armer, geschlagener Mann!
100
Mit solchen Buben, was fängt man an?
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Ob ihr's nun gleich verdienet habt,
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Daß ihr heut mit nichts Anderem werdet begabt,
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Als daß man euch mit Prügel labt,
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So will ich doch sagen jetzt: Freuet euch.
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Und abermals sag' ich: Freuet euch.
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Höret zu, was euch soll frommen.
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Ihr habt gewißlich schon vernommen,
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Daß demnächst in die Stadt wird kommen
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Vom Süden her ein fürstliches Brautpaar.
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Nicht? so thu ich's euch jetzt verlautbar.
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Sie sollen von der Stadt mit Festlichkeit
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Empfangen werden in Köstlichkeit,
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Dazu ihr drei ausersehen seid
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Beizutragen; so macht euch bereit
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Es wird aber ein Vetter der Braut mit ziehen ein,
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Ein Bischof, der erfüllet den Spruch gar fein:
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Ihre Heiligen sollen fröhlich sein.
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Es ist einer, der da liebt Scherz und Tand
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Und dabei giebt mit Herz und Hand.
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Vor dem sollt ihr beide zuerst, ihr Rangen,
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In einem lustigen Wettkampf prangen,
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Mit einem Narrengespräch
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Mit einem komischen Turnier,
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Davon ich ein Mehres euch sage hier:
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Als Aufrichter und Niedermacher,
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Als Fürsprecher und Widersacher,
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Mit Rede und Gegenrede,
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Mit Fehde und Gegenfehde
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Sollt ihr mir fest im Kampf stehn beede.
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Von diesen Kampfregeln aber haltet mir jede:
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Um die Wahrheit sollt ihr mir nicht herumgehn
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Und mit Schmeichelworten sollt ihr nicht umgehn;
135
Aber immer sei eure Rede, die scharfe,
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Ein Saitenklang von einer Harfe. –
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Und säet nicht unter die Hecken
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Und laßt euch vom richtigen Wege nicht schrecken.
140
Löschet nicht, was schon erloschen
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Und dreschet nicht, was schon abgedroschen.
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Nicht auf Gräber sollt euren Sitz ihr setzen,
143
Am Lebendigen sollt euren Witz ihr wetzen,
144
Allen Verständigen zum Ergötzen.
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Sollt ihr segeln bei gutem und schlechtem Winde.
148
Seid nicht zu plump und gradheraus;
149
Nur ein Tölpel fällt mit der Thür ins Haus,
150
Und schüttet alles auf einmal aus.
151
Dies Gleichniß merkt euch für den Witz:
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Was ist schneller als der Blitz,
153
Und doch durchläuft er seine Pfade
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Im Zickzack und nicht gerade.
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Ging' er gradewegs so eilig,
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Von seltenen Sprüchen werd' euer Schatz nie leer:
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Denn der Weise theilt aus und hat immer mehr,
159
Der Thor aber karget und wird immer ärmer.
160
Thut kund vor aller Welt euer Thorheitsbekenntniß
161
Und eures Narrenthums Eingeständniß,
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Und doch muß euer Narrenduett unisono
163
Uebereinstimmen an Weisheit so,
164
Als ob da spräche frei und froh
165
Die Königin Saba mit Salomo.
166
Es entbehre der kostbaren Früchte nimmer;
167
Von diesen aber gebet, weil doch immer
168
Für die einen ist verloren, was die andern haben gern,
169
Die Schaalen für die Thoren, für die Klugen den Kern.
170
Den Närrischen muß es bloß Klingklang bedeuten,
171
In Wahrheit aber ein Glockenläuten,
172
Das zum Gebet die Gedanken ruft der Gescheuten. –
173
An Fülle des Klanges sei euer Werk
174
Ein blitzendes, flimmerndes Feuerwerk,
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Wo die Reime wie strahlende Sterne sich zeigen
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Und die Witze auf als Raketen steigen,
177
Daß alle Umstehenden euer Lob posaunen,
178
Und alle es Sehenden stehen und staunen.
179
Aber habt mir wohl Acht, daß euer jeder Witz,
182
Und so das Ganze sei vielhaltig,
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Und beredt und behende
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Nun lasset mich euch noch ein Wörtlein sagen,
192
Das sollt ihr tief im Herzen tragen:
193
Ich hab' aufgeschlossen euch klar und hell
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Der deutschen Sprachkunst Wunderquell,
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Daß ihr nun daraus schöpfet mit vollen Krügen
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Und trinket daraus in vollen Zügen.
197
Aber ihr sollt mir davon keinen Mißbrauch machen,
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Sondern nur einen Nießbrauch machen,
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Um die bittere Wahrheit süß zu machen
200
Und den Hörern zur Freude, zum Jubel und Lachen.
201
Ich kann zu euch sagen was ein Sprüchlein spricht:
202
Gold und Silber hab' ich nicht,
203
Was ich aber habe, das gab ich euch.
204
Bewahret es wohl, so seid ihr reich,
205
So habet ihr einen Hochgenuß,
206
Den der höchste im Land' euch neiden muß. –
207
Drauf wendet er sich dem dritten zu:
209
Der sich selbst hält für auserlesen,
210
Dessen Lehrer ich nicht gewesen,
216
Ueber welch Rätsel denkst du nach?
218
So will ich Aussaat stecken in deinen Acker,
219
Schläfst du, so will ich dich wecken wacker.
224
Willst du in der Dichtkunst sein ein Prinz,
225
Und nicht wie die andern ein Kunz und Hinz,
226
Deinen Voraus-Anspruch verbanne ihn,
227
Hier ist der Bogen, spanne ihn.
228
Wirst du treffen, so wollen wir glauben
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Und werden dir deinen Ruhm nicht rauben.
231
Es steht dir ein hoher Preis zu Kauf.
232
Wenn da wird zu schaun sein und zu sehn
233
Welches ist herrlich, köstlich, lieblich und schön,
234
Wenn das Volk einem Erwählten wird entgegengehn
235
Mit Pauken, mit Freuden und mit Geigen,
236
Dann sollst du dich zeigen
237
Mit einem Lied, das loben soll des Spruches Wahl:
238
Wie ein Rubin in seinem Golde leuchtet,
239
Also ziert ein Gesang das Mahl.
240
Für die Ausführung geb' ich dir dies Vermächtniß,
241
Präg' es tief in dein Gedächtniß:
242
Was dein Gemüth erfüllt, das klage!
243
Was aus dem Herzen quillt das sage! –
246
Muß dein Sang sein und nicht nichtig.
247
Das Weltall muß darinnen wehn,
248
Und jede Zeile zum Ganzen stehn
249
Wie im Weizenfeld ein gefüllter Halm,
250
Wie im Psalter ein Psalm.
251
Und das Ganze muß sein ein Vorwärtsstoß,
252
Eine neue Welt bergend in seinem Schooß,
253
In Form, in Inhalt tadellos
255
Trostreich tief, klar und klingend,
256
Wahr und gleich ins Herze dringend,
258
Seine Wirkung sein und gewaltig.
259
Und was du so willst wagen,
260
Ernst froh willst sagen,
261
Es ist dir schon vorgesagt von der Natur,
263
Dann faltet er die Hände und betet andächtig,
264
Seufzend aus tiefstem Innern und mächtig:
265
O du himmlischer Vater, und all ihr Heiligen!
266
O wollet euch gnädig an dem Werke betheiligen
267
Und lasset doch die verdammten Rangen
268
Einmal zu etwas Gutem gelangen,
269
Davon auch für uns was her sich schreib'
271
Auf daß man die Sorgen von sich treib'
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Und stärken könne seinen sündigen Leib.
273
Vor allen Dingen aber bitt' ich dich, Herr, befrei' uns
274
Von dem phrasensprühenden Gottseibeiuns,
275
Der da ist hungrig bei uns gestern wie heute,
276
Der da frißt Vieh und Volk und Land und Leute
277
Mit Disteln und mit Dörnern,
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Mit Haut und Haar und Hörnern.
279
Wollest du bald doch, o Herr, mit seinem ganzen
280
Pack von Modenamen und Schranzen
281
Einen gedeihlichen Kehraus tanzen,
282
Oder uns in Gnaden das Amt gewähren,
283
Mit gutem Besen sie auszukehren,
284
Daß sie schreien Zeter und Mordio,
285
Drob werden sein die Engel im Himmel froh.
286
Sie hängen ja zusammen mit ihren Weihrauchketten
288
Wie lange noch sollen wir uns gedulden,
289
Ihnen heimzuzahlen ihre Schulden?
290
Sieht man die Verblendung, die sie führen herbei,
291
Es frißt einem schier das Herz entzwei,
292
Und der trotzigste Mann muß schluchzen und weinen,
293
Als wie man ein Erz schmilzt aus Steinen.
294
So sprach er und ging,
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Und seine Bewegung war nicht gering,
296
Und Thränen rannen ihm, wie er sprach,
297
Und alle drei sahen ihm verwundert nach.
299
Da erhob sich im Saal ein Gesumm und Gesause,
300
Ein Gebrumm und Gebrause
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Wie bei den Schulkindern in der Pause.
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Ein Jeder zischelt dem Nachbar leis
303
Sein Urtheil zu, so Tadel wie Preis.
304
Der Schah auf dem Throne sinnend saß
305
Und schier weiter zu rauchen vergaß.
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Wie nun die Kerzen im Saale niederstrahlen
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Und in allen Spiegeln ihr Flammenbild malen,
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Da ward Thee gereicht und Scherbet in Schaalen.
313
Der Erzähler aber, während er schlürfte den Trank,
314
Ließ seinen Blick streifen den Saal entlang,
315
Bis er haften blieb auf der Wandmalerei,
316
Wo Schah Abbas empfängt Abdul-Mumin-Bey,
317
Wo sich ein glänzendes Bild des Hofstaats breitet,
318
Und der Narr auf einem Höfling reitet. –
319
Dann in die Vorhalle zurück
321
Wo er dem Murmeln der Springbrunnen lauscht,
322
Das leis wie ein Regen rieselt und rauscht.
324
Hört er's tönen aus den Gartenbüschen,
325
Wo Vogelstimmen klangen
326
Und süße Sänger sangen
327
Und durch die Fenster drangen der Nachtigall Klagen,
328
Auf den Wogen des Wohllauts hereingetragen.