Dort

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Leopold Jacoby: Dort Titel entspricht 1. Vers(1867)

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Dort,
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An der beiden Stadttheile Vereinigungsort,
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Wo mittendurch die Spree sich ergießt,
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Die nun in einem Strombett fließt,
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Das eingeengt ist
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Und eingeschränkt ist,
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Doch damals war es breit und frei
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Und hatte dort der Arme zwei,
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Die zwischen sich ließen eine Lücke
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Als Insel, da stand am Ende der Brücke,
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Die heute kurz ist und damals lang war
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Und ein Hauptverbindungsgang war,
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Ein Haus,
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Mit dem Giebel gebaut zur Spree hinaus,
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Aus Holzwerk aufgeführt,
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Mit Schnitzwerk ausgeziert,
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Das war vom alten Berlin das Rathaus,
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Der Republik Stadthaus und Staathaus.

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Es war
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Ein nebliger Tag im Februar,
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Da zogen dorthin im Amtsornat
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Die Herren vom Rath
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Und zum guten Berathungswerke
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Auch die Vertreter der Gewerke.
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Als nun im Rathauszimmer allmählig
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Die Versammlung ward vollzählig, –
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Die Rathmänner weiche Sitzplätze fanden,
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Die Werkmänner gesondert dagegenstanden –
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Da nahm der im Chorsitz
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Von den Rathmännern führte den Vorsitz,
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Mit Husten und Räuspern, ein wenig zag,
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Das Wort und sprach:
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Meine werthen Herrn, meine guten und huldigen,
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Der Herr Bürgermeister ist krank und läßt sich entschuldigen.

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Sogleich begann unter den Werkmännern ein Schurren
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Und lautes Murren,
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Und einer trat vor, der war breitknochig
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Und aufpochig,
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Klopfte mit den Knöcheln der Faust auf den Tisch
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Und rief mit dröhnender Stimme frisch:
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Ist er krank?
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Saß wohl beim letzten Festmahl zu lang?
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Solch unsichtbares Licht,
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Einen solchen Bürgermeister brauchen wir nicht!
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Wenn all' die Gäuche
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Und dicken Bäuche
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Ihr faules Regiment hier so weiter führen,
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So werden wir's bald einmal probiren,
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Uns ohne sie selbst zu regieren! –
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Da rief ihm Beifall sein ganzer Chor.
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Dem Stadtschreiber aber raunt einer in's Ohr:
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Das ist ein Grobschmied, der kann's gehörig.
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Und der erwidert ihm: das hör' ich.

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Der im Vorsitz aber, ungestört,
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Fuhr fort, als hätt' er gar nichts gehört:
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Warum wir unserer Stadt zum Frommen
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Heute sind hierhergekommen,
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Das ist wohl Allen bekannt genug.
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Wir erwarten demnächst gar hohen Besuch
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Von seiner Durchlaucht, dem jungen Fürsten,
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Nach dessen Gunst und Gnade zu dürsten
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Diese gute, getreue Stadt
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Ursache haben muß und hat,
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Weil er vom Kaiser ein Abgesandter ist
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Und noch dazu sein Verwandter ist.
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Mit seiner Braut kommt er vom Süden her,
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Der Stadt Berlin zur gewaltigen Ehr'.
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Mithin handelt es sich, dazu zu gelangen,
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Ihn unterthänigst fein zu empfangen,
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Auf daß er Ursach zum Tadeln mit nichten habe
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Und dem Kaiser nur Lob zu berichten habe.
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Also schlage zunächst ich für,
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Daß man vom Rath hier einen erkür',
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Der in wohlgesetztem Redefluß
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Den Fürsten am Thor empfangen muß,
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Der Stadt zum Heil, den Hörern aber zum Hochgenuß.
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Darauf trat ein andrer vom Chor
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Der Gewerke vor,
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Das war ein Wollenweber
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Und redete gradweg von der Leber:
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Daß einer von euch dort spricht,
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Offen gesagt, das gefällt mir nicht,
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Der, wenn er ein fürstlich Haupt erblickt,
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Wie ein Taschenmesser zusammenknickt,
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Und wollt er vorher sich hart erweisen
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Als Eisen,
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Dann wird er stracks
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Weich wie Wachs,
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Daß ihm gleich vor Ehrfurcht die Kniee knacken, –
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Aus solchem Teig sind wir nicht gebacken.
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Diese Stadt,
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Die annoch keinen Herrn über sich hat,
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Die hat immer darauf gehalten stolz,
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Geschnitzt zu sein aus hartem Holz,
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Zu sprechen kühn und sich nicht zu schmiegen
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Und lieber zu brechen als sich zu biegen.
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Es sind aber des Volkes Klagen
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Genug vor aller Welt zu sagen,
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Braucht nur mal bei uns herumzufragen. –
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Dann dreht er sich wieder um und ging,
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Und lauter Zuruf ihn empfing.

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Darnach
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Einer vom Rath sich erhob und sprach:
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Alsdann nunmehro
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Schlag' ich vor zur Begrüßung von Dero
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Hohe Gnaden und Fürstlichkeit
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Eine Jungfrau in weißem Kleid.
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Mit ihren Kolleginnen
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Wird sie sicherlich Huld gewinnen.

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Alsofort
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Fiel der Stadtschreiber ihm ins Wort:
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Wir haben Schönheiten ein ganzes Heer,
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Doch eben darum die Wahl ist schwer.
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Erst wird gehadert hin und her,
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Der will seine Tochter im Glanze sehn,
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Und der andere giebt zu verstehn,
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Seine wär nicht minder schön;
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Und zum Schluß kommt heraus nach all dem Streiten
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Eine Auswahl von Häßlichkeiten. –
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Da lachten Alle rings,
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Und viele meinten, so wär's allerdings.

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Aber der Lehrer der Stadt,
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Der zwischen den Werkmännern saß und dem Rath,
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Also sich das Wort erbat:
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Ihr wollt euch was Männliches zu sagen bequemen,
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Und dazu wollt Ihr ein Fräulein nehmen?
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Ein solcher Beschluß, mit Verlaub zu sagen,
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Der hieße den Gedanken todt durch die That schlagen,
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Der wär' mehr zum Radschlagen als zum Rathschlagen.
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Ich wüßt aber Einen,
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Sollt' ich meinen,
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Der dies Unternehmen
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Wohl kann unternehmen,
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Daß ihr euch braucht des Erfolges nimmer zu schämen.

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Ein andrer vom Rath sprach: Mit Vernunft
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Wende man sich an die Sangeszunft,
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Die bei solchem Ereigniß nie bleibt stumm.

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Aber der Lehrer sprach wiederum:
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Ihr meint die heutigen Zunftsängerkreise?
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Dies ist ihr Werk und dies ihre Weise:
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Sie lassen sich bis zum Ueberdruß hören
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Mit ihren höchst wohllauten Lehren.
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Doch ist darinnen mehr Leere als Lehre.
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Mehr Hohllaut als Wohllaut.
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Aus Dummheit gewoben, aus Trug und List,
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Sie reden stolze Worte, da nichts hinter ist.
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Es hört sich schön an und ist nicht schön,
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Es ist ein thönernes Getön,
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Das poltert, wie wenn man Töpfe zerbricht,
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Aber den Topf der Weisheit nicht.
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Das sind die Poëten,
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Das sind die Propheten,
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Zu denen die echten gehören so
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Wie sich zusammenreimt Weizen und Stroh.
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Sie werden euch wahrsagen
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Und alles Falsche euch richtig auf ein Haar sagen.
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Eine Pause hiernach entstund,
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Und einer der Werkmannen sprach jetzund:

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Es ist heuer eine Zeit,
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Voll Trübsal und Leid,
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Man kann sich kaum davor erwehren,
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Und überall thut es rumoren und gähren,
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Als müßte die Welt was ganz Neues gebähren.
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Da mein' ich nun,
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Es ließe sich weislich etwas thun,
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Wenn wir, uns selber fröhlich zu machen,
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Auch was bringen zur Lust und zum Lachen,
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So was von Mummenschanz und Narrentheidung.
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Und dies wollt ich vorlegen zur Entscheidung. –
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Ein lauter Beifall folgte den Worten nach.

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Und der im Vorsitz also sprach:
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Es ist sichere Zeitung,
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Daß in des fürstlichen Paares Begleitung
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Der Bischof, ein Vetter der hohen Braut,
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Mit werde geschaut.
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Von dem thut man überall sagen und singen,
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Daß er an Scherz und komischen Dingen
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Schier so viel Gefallen habe
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Als an seinem Bischofsstabe.
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Mithin so meinet der Rath und spricht,
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Wär's für die Stadt uneben nicht,
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Wenn derartiges auch geschicht.
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Der Stadtschreiber hierauf das Wort empfing
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Und sprach: Es ist mit dem Schelten ein eigen Ding.
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Wer andere tadelt keck und klug,
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Von dem verlangt die Welt mit Fug,
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Daß er zeige, ob er es besser kann,
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Sonst bleibt er ein verlorener Mann.
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Also möcht' ich fragen,
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Ob uns der Lehrer der Stadt will sagen,
191
Wen
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Wer etwa, denen er Lehre giebt,
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Also ist sang- und wortgeübt,
194
Daß er uns guten Erfolg verhieß.

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Der Lehrer sprach: darauf sage ich dies:

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Es sind ihrer Dreie, doch Einer davon
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Ist wie die auserwählten Tannen vom Libanon.
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In seinen Worten ist eine Tiefe,
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Von der man nicht glauben sollt', daß sie dort schliefe.
200
Ich sag' euch, wahrlich
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Seiner Sprache Gewalt ist wunderbarlich.
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Es ist mir da ein Genie geboren,
203
Ich weiß nicht, ist er zu spät oder zu früh geboren.
204
Er ist aber von den fahrenden Schülern Einer,
205
Wo er her und wo er geschult ist, weiß keiner. –

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Von den andern beiden ist der eine vom Rhein
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Im Vortrag zierlich, anmuthig und fein.
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Wie eine Goldammer
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Lieblich schlägt mit ihrer Stimme Goldhammer,
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So ist er im Sang' fröhlich immer
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Und traurig nimmer;
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Wie Schaumwein, der überquoll,
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Prickelnd-lustig-übertoll
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Und von Wortspiel und süßen Reimen voll. –

215
Der andre aber, immer voll Tadel und Zweifel,
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Fürchtet nicht Himmel, noch Hölle, noch Teufel,
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Mag sich einem Machtgebot nicht bequemen,
218
Läßt sich vom Brod die Butter nicht nehmen,
219
Sagt lieber zehnmal nein als einmal ja,
220
Wo was los ist, ist er da,
221
Mit der Zunge bei der Hand und mit der Hand geschwind,
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Kurz, wie nun einmal die Berliner sind,
223
Ein richtiges Berliner Kind.
224
Doch wenn er spricht so trifft der Tropf
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Euch sicher den Nagel auf eurem Kopf. –

226
So sprach er, und der ganze Hauf
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Jauchzte mit hellem Jubel auf.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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