Das scheue Wort

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Joachim Ringelnatz: Das scheue Wort (1908)

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Es war ein scheues Wort.
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Das war ausgesprochen
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Und hatte sich sofort
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Unter ein Sofa verkrochen.

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Samstags, als Berta das Sofa klopfte,
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Flog es in das linke, verstopfte
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Ohr von Berta. Von da aus entkam es.
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Ein Windstoß nahm es,
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Trug es weit und dann hoch empor.
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Wo es sich in das halbe, bange
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Gedächtnis eines Piloten verlor.

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Fiel dann an einem Wiesenhange
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Auf eine umarmte Arbeiterin nieder,
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Trocknete deren Augenlider.
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Wobei ein Literat es erwischte
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Und, falsch belauscht,
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Eitel aufgebauscht,
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Mittags dann seichten Fressern auftischte.

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Und das arme, mißbrauchte,
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Zitternde scheue Wort
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Wanderte weiter und tauchte
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Wieder auf, hier und dort.
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Bis ein Dichter es sanft einträumte,
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Ihm ein stilles Palais einräumte. – –

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Kam aber sehr bald ein Parodist
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Mit geschäftlich sicherem Blick,
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Tauchte das Wort mit Speichel und Mist
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In einen Aufguß gestohlner Musik.

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So ward es publik.
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So wurde es volkstümlich laut.
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Und doch nur sein Äußeres, seine Haut,
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Das Klangliche und das Reimliche.
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Denn das Innerste, Heimliche
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An ihm war weder lauschend noch lesend
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Erreichbar, blieb öffentlich abwesend.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joachim Ringelnatz
(18831934)

* 07.08.1883 in Wurzen, † 17.11.1934 in Berlin

männlich, geb. Bötticher

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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