Wohlgemeint an Biedermann

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Joachim Ringelnatz: Wohlgemeint an Biedermann (1908)

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Geh doch einmal ins Gegenteil
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Und laß dich etwas kitzeln!
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Wir sind oft unbefriedigt, weil
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Wir übersicher witzeln.

5
Wir ziehen satt in geregeltem Trott
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Auf Wegen, die scheinbar nie krumm gehn,
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Eine bröcklige Gipsbüste von Gott,
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Nach der wir uns gar nicht mehr umsehn.

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Ich sage »wir«, und ich meine dabei
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»gut mittelbeamtlich erzogen«
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Im Sinne von Kirche, Staat, Polizei.
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Alles andre ist ja erlogen.

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Ach reise doch mal nach Andrerseits
14
Und freue dich mit Verdammten,
15
Wär's nur an einem »Beinespreiz«
16
Für die mittleren Beamten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joachim Ringelnatz
(18831934)

* 07.08.1883 in Wurzen, † 17.11.1934 in Berlin

männlich, geb. Bötticher

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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