Die Waisenkinder

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Joachim Ringelnatz: Die Waisenkinder (1908)

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Zwanzig grobe Strohhüte gehen
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Zwei und zwei wie Militär.
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Zwanzig schwarze Pelerinchen wehen,
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Als wenn's zum Begräbnis wär.

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Magre Lehrerin voraus,
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Hinten magre zweite,
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Eine dritte an der Seite,
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Also zieht aus engem Haus
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Eine Schlange in die Weite.

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Hilfe! Mideid! Und Beschwerde!
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Zwanzig arme Waisenkinder,
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Streng getrieben, eine Herde
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Junger Rinder –.

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Weil mich meine Mutter knufft,
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Und um Stärkres zu vermeiden,
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Sag ich: »Ja, man läßt sie weiden
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In der frischen, freien Luft.«

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»weiden? – Dummheit! Siehst du nicht,
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Was hier vorgeht, roher Bengel!
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Junge Blumen brauchen Licht,
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Wärme, Erde, Wurzel, Stengel –.«

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»manche brauchen Mist, Mama,
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Weil sie anderes vermissen,
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Und der ist – wer kann es wissen –
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Hier vielleicht sehr reichlich da.«

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Meine Mutter ruckt, – schluckt:

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»treibt mit diesen Engeln Spott!
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Und mich will er nicht verstehen.
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Warte, dir wird's schlimm ergehen!
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Und das wünsch ich dir. Bei Gott.«

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Meine Mutter dreht
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Rücken zu und geht.

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Und nun sauf ich wo, wo keine
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Rinder, Blumen, Engel sind,
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Bin für mich oder für meine
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Mutter Naseweisenkind.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joachim Ringelnatz
(18831934)

* 07.08.1883 in Wurzen, † 17.11.1934 in Berlin

männlich, geb. Bötticher

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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