Lerchenkrieg

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Ludwig Uhland: Lerchenkrieg (1824)

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»lerchen sind wir, freie Lerchen,
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Wiegen uns im Sonnenschein,
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Steigen auf aus grünen Saaten,
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Tauchen in den Himmel ein.«

5
Tausend Lerchen schwebten singend
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Ob dem weiten, ebnen Ries,
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Daß ihr heller Ruf die Menschen
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Nicht im Hause bleiben ließ.

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Aus der Burg vom Wallersteine
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Ritt der Graf mit seinem Sohn,
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Will für ihn die goldnen Sporen
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Holen an des Kaisers Thron.

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Freut sich bei dem Lerchenwirbel
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Schon der reichen Vogelbrut,
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Doch dem Junker ihm zur Seite
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Hüpft das Herz von Rittermut.

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Aus der Stadt mit grauen Türmen,
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Aus der Reichsstadt finsterm Tor
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In den goldnen Sonntagsmorgen
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Wandelt Alt und Jung hervor.

21
Und der junge Rottenmeister
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Führt zum Garten seine Braut,
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Pflücket ihr das erste Veilchen
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Bei der Lerchen Jubellaut.

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Diese lieben Lenzestage,
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Ach, sie waren schnell verblüht,
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Und die schönen Sommermonde
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Waren auch so bald verglüht.

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»lerchen sind wir, freie Lerchen.
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Nicht mehr lieblich ist es hier,
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Singen ist uns hier verleidet,
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Wandern, wandern wollen wir.«

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Abendlich im Herbstesnebel
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Ziehn die Bürger aus dem Tor,
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Breiten, richten still die Garne,
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Lauschen mit gespanntem Ohr.

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Horch, es rauscht! die Lerchen kommen,
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Horch, es rauscht! ein mächt'ger Flug!
39
Waffenklirrend in die Garne
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Sprengt und stampft ein reis'ger Zug.

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Ruft der alte Graf vom Rosse:
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»hilf, Maria, reine Magd!
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Hilf den Bürgerfrevel strafen,
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Der uns stört die Vogeljagd!«

45
Ruft der junge Rottenmeister:
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»schwert vom Leder! Spieß herbei!
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Lerchen darf ein jeder fangen,
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Kleine Vögel, die sind frei.«

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Als der graue Morgen dämmert,
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Liegt der Junker tot im Feld;
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Über ihm, aufs Schwert sich stützend,
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Grimmig, stumm, der greise Held.

53
Zum erschlagnen Rottenmeister
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Beugt sich dort sein junges Weib,
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Mit den aufgelösten Locken
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Deckt sie seinen blut'gen Leib.

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Und noch einmal, eh sie ziehen,
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Steigen tausend Lerchen an,
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Flattern in der Morgensonne,
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Schmettern, wie sie nie getan:

61
»lerchen sind wir, freie Lerchen,
62
Fliegen über Land und Flut;
63
Die uns fangen, würgen wollten,
64
Liegen hier in ihrem Blut.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Uhland
(17871862)

* 26.04.1787 in Tübingen, † 13.11.1862 in Tübingen

männlich, geb. Uhland

deutscher Dichter, Literaturwissenschaftler und Landtagsabgeordneter

(Aus: Wikidata.org)

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