Der Schenk von Limburg

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Ludwig Uhland: Der Schenk von Limburg (1816)

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Zu Limburg auf der Veste,
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Da wohnt' ein edler Graf,
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Den keiner seiner Gäste
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Jemals zu Hause traf.
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Er trieb sich allerwegen
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Gebirg und Wald entlang,
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Kein Sturm und auch kein Regen
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Verleidet' ihm den Gang.

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Er trug ein Wams von Leder
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Und einen Jägerhut
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Mit mancher wilden Feder,
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Das steht den Jägern gut;
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Es hing ihm an der Seiten
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Ein Trinkgefäß von Buchs;
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Gewaltig konnt er schreiten
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Und war von hohem Wuchs.

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Wohl hatt er Knecht' und Mannen
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Und hatt ein tüchtig Roß,
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Ging doch zu Fuß von dannen
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Und ließ daheim den Troß.
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Es war sein ganz Geleite
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Ein Jagdspieß, stark und lang,
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An dem er über breite
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Waldströme kühn sich schwang.

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Nun hielt auf Hohenstaufen
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Der deutsche Kaiser Haus.
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Der zog mit hellen Haufen
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Einsmals zu jagen aus.
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Er rannt auf eine Hinde
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So heiß und hastig vor,
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Daß ihn sein Jagdgesinde
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Im wilden Forst verlor.

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Bei einer kühlen Quelle,
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Da macht' er endlich Halt;
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Gezieret war die Stelle
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Mit Blumen mannigfalt.
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Hier dacht er sich zu legen
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Zu einem Mittagschlaf,
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Da rauscht' es in den Hägen
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Und stand vor ihm der Graf.

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Da hub er an zu schelten:
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»treff ich den Nachbar hie?
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Zu Hause weilt er selten,
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Zu Hofe kommt er nie:
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Man muß im Walde streifen,
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Wenn man ihn fahen will,
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Man muß ihn tapfer greifen,
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Sonst hält er nirgend still.«

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Als drauf ohn alle Fährde
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Der Graf sich niederließ
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Und neben in die Erde
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Die Jägerstange stieß,
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Da griff mit beiden Händen
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Der Kaiser nach dem Schaft:
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»den Spieß muß ich mir pfänden,
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Ich nehm ihn mir zu Haft.

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Der Spieß ist mir verfangen,
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Des ich so lang begehrt,
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Du sollst dafür empfangen
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Hier dies mein bestes Pferd.
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Nicht schweifen im Gewälde
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Darf mir ein solcher Mann,
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Der mir zu Hof und Felde
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Viel besser dienen kann.«

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»herr Kaiser, wollt vergeben!
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Ihr macht das Herz mir schwer.
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Laßt mir mein freies Leben,
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Und laßt mir meinen Speer!
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Ein Pferd hab ich schon eigen,
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Für Eures sag ich Dank;
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Zu Rosse will ich steigen,
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Bin ich mal alt und krank.«

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»mit dir ist nicht zu streiten,
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Du bist mir allzu stolz,
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Doch führst du an der Seiten
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Ein Trinkgefäß von Holz:
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Nun macht die Jagd mich dürsten,
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Drum tu mir das, Gesell,
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Und gib mir eins zu bürsten
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Aus diesem Wasserquell!«

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Der Graf hat sich erhoben,
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Er schwenkt den Becher klar,
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Er füllt ihn an bis oben,
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Hält ihn dem Kaiser dar.
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Der schlürft mit vollen Zügen
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Den kühlen Trank hinein
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Und zeigt ein solch Vergnügen,
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Als wär's der beste Wein.

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Dann faßt der schlaue Zecher
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Den Grafen bei der Hand:
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»du schwenktest mir den Becher
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Und fülltest ihn zum Rand,
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Du hieltest mir zum Munde
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Das labende Getränk:
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Du bist von dieser Stunde
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Des deutschen Reiches Schenk!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Uhland
(17871862)

* 26.04.1787 in Tübingen, † 13.11.1862 in Tübingen

männlich, geb. Uhland

deutscher Dichter, Literaturwissenschaftler und Landtagsabgeordneter

(Aus: Wikidata.org)

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