Roland Schildträger

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Ludwig Uhland: Roland Schildträger (1811)

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Der König Karl saß einst zu Tisch
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Zu Aachen mit den Fürsten,
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Man stellte Wildpret auf und Fisch
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Und ließ auch keinen dürsten.
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Viel Goldgeschirr von klarem Schein,
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Manch roten, grünen Edelstein
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Sah man im Saale leuchten.

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Da sprach Herr Karl, der starke Held:
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»was soll der eitle Schimmer?
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Das beste Kleinod dieser Welt,
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Das fehlet uns noch immer.
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Dies Kleinod, hell wie Sonnenschein,
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Ein Riese trägt's im Schilde sein,
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Tief im Ardennerwalde.«

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Graf Richard, Erzbischof Turpin,
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Herr Haimon, Naim von Bayern,
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Milon von Anglant, Graf Garin,
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Die wollten da nicht feiern.
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Sie haben Stahlgewand begehrt
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Und hießen satteln ihre Pferd,
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Zu reiten nach dem Riesen.

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Jung Roland, Sohn des Milon, sprach:
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»lieb Vater! hört, ich bitte!
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Vermeint Ihr mich zu jung und schwach,
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Daß ich mit Riesen stritte,
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Doch bin ich nicht zu winzig mehr,
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Euch nachzutragen Euern Speer
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Samt Eurem guten Schilde.«

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Die sechs Genossen ritten bald
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Vereint nach den Ardennen,
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Doch als sie kamen in den Wald,
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Da täten sie sich trennen.
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Roland ritt hinterm Vater her;
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Wie wohl ihm war, des Helden Speer,
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Des Helden Schild zu tragen!

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Bei Sonnenschein und Mondenlicht
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Streiften die kühnen Degen,
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Doch fanden sie den Riesen nicht
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In Felsen noch Gehegen.
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Zur Mittagsstund am vierten Tag
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Der Herzog Milon schlafen lag
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In einer Eiche Schatten.

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Roland sah in der Ferne bald
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Ein Blitzen und ein Leuchten,
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Davon die Strahlen in dem Wald
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Die Hirsch und Reh aufscheuchten;
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Er sah, es kam von einem Schild,
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Den trug ein Riese, groß und wild,
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Vom Berge niedersteigend.

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Roland gedacht im Herzen sein:
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»was ist das für ein Schrecken!
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Soll ich den lieben Vater mein
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Im besten Schlaf erwecken?
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Es wachet ja sein gutes Pferd,
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Es wacht sein Speer, sein Schild und Schwert,
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Es wacht Roland, der junge.«

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Roland das Schwert zur Seite band,
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Herrn Milons starkes Waffen,
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Die Lanze nahm er in die Hand
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Und tät den Schild aufraffen.
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Herrn Milons Roß bestieg er dann
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Und ritt erst sachte durch den Tann,
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Den Vater nicht zu wecken.

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Und als er kam zur Felsenwand,
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Da sprach der Ries mit Lachen:
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»was will doch dieser kleine Fant
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Auf solchem Rosse machen?
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Sein Schwert ist zwier so lang als er,
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Vom Rosse zieht ihn schier der Speer,
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Der Schild will ihn erdrücken.«

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Jung Roland rief: »Wohlauf zum Streit!
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Dich reuet noch dein Necken.
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Hab ich die Tartsche lang und breit,
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Kann sie mich besser decken;
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Ein kleiner Mann, ein großes Pferd,
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Ein kurzer Arm, ein langes Schwert,
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Muß eins dem andern helfen.«

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Der Riese mit der Stange schlug,
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Auslangend in die Weite,
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Jung Roland schwenkte schnell genug
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Sein Roß noch auf die Seite.
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Die Lanz er auf den Riesen schwang,
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Doch von dem Wunderschilde sprang
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Auf Roland sie zurücke.

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Jung Roland nahm in großer Hast
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Das Schwert in beide Hände,
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Der Riese nach dem seinen faßt',
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Er war zu unbehende;
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Mit flinkem Hiebe schlug Roland
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Ihm unterm Schild die linke Hand,
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Daß Hand und Schild entrollten.

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Dem Riesen schwand der Mut dahin,
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Wie ihm der Schild entrissen,
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Das Kleinod, das ihm Kraft verliehn,
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Mußt er mit Schmerzen missen.
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Zwar lief er gleich dem Schilde nach,
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Doch Roland in das Knie ihn stach,
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Daß er zu Boden stürzte.

99
Roland ihn bei den Haaren griff,
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Hieb ihm das Haupt herunter,
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Ein großer Strom von Blute lief
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Ins tiefe Tal hinunter;
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Und aus des Toten Schild hernach
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Roland das lichte Kleinod brach
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Und freute sich am Glanze.

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Dann barg er's unterm Kleide gut
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Und ging zu einem Quelle,
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Da wusch er sich von Staub und Blut
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Gewand und Waffen helle.
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Zurücke ritt der jung Roland
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Dahin, wo er den Vater fand
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Noch schlafend bei der Eiche.

113
Er legt' sich an des Vaters Seit,
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Vom Schlafe selbst bezwungen,
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Bis in der kühlen Abendzeit
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Herr Milon aufgesprungen:
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»wach auf, wach auf, mein Sohn Roland!
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Nimm Schild und Lanze schnell zur Hand,
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Daß wir den Riesen suchen!«

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Sie stiegen auf und eilten sehr,
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Zu schweifen in der Wilde,
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Roland ritt hinterm Vater her
123
Mit dessen Speer und Schilde.
124
Sie kamen bald zu jener Stätt,
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Wo Roland jüngst gestritten hätt,
126
Der Riese lag im Blute.

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Roland kaum seinen Augen glaubt',
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Als nicht mehr war zu schauen
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Die linke Hand, dazu das Haupt,
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So er ihm abgehauen,
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Nicht mehr des Riesen Schwert und Speer,
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Auch nicht sein Schild und Harnisch mehr,
133
Nur Rumpf und blut'ge Glieder.

134
Milon besah den großen Rumpf:
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»was ist das für 'ne Leiche?
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Man sieht noch am zerhaunen Stumpf,
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Wie mächtig war die Eiche.
138
Das ist der Riese! frag ich mehr?
139
Verschlafen hab ich Sieg und Ehr,
140
Drum muß ich ewig trauern.« –

141
Zu Aachen vor dem Schlosse stund
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Der König Karl gar bange:
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»sind meine Helden wohl gesund?
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Sie weilen allzu lange.
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Doch seh ich recht, auf Königswort!
146
So reitet Herzog Haimon dort,
147
Des Riesen Haupt am Speere.«

148
Herr Haimon ritt in trübem Mut,
149
Und mit gesenktem Spieße
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Legt' er das Haupt, besprengt mit Blut,
151
Dem König vor die Füße:
152
»ich fand den Kopf im wilden Hag,
153
Und fünfzig Schritte weiter lag
154
Des Riesen Rumpf am Boden.«

155
Bald auch der Erzbischof Turpin
156
Den Riesenhandschuh brachte,
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Die ungefüge Hand noch drin,
158
Er zog sie aus und lachte:
159
»das ist ein schön Reliquienstück,
160
Ich bring es aus dem Wald zurück,
161
Fand es schon zugehauen.«

162
Der Herzog Naim von Bayerland
163
Kam mit des Riesen Stange:
164
»schaut an, was ich im Walde fand!
165
Ein Waffen, stark und lange.
166
Wohl schwitz ich von dem schweren Druck;
167
Hei! bayrisch Bier, ein guter Schluck,
168
Sollt mir gar köstlich munden!«

169
Graf Richard kam zu Fuß daher,
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Ging neben seinem Pferde,
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Das trug des Riesen schwere Wehr,
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Den Harnisch samt dem Schwerte:
173
»wer suchen will im wilden Tann,
174
Manch Waffenstück noch finden kann,
175
Ist mir zu viel gewesen.«

176
Der Graf Garin tät ferne schon
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Den Schild des Riesen schwingen.
178
»der hat den Schild, des ist die Kron,
179
Der wird das Kleinod bringen!«
180
»den Schild hab ich, ihr lieben Herrn!
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Das Kleinod hätt ich gar zu gern,
182
Doch das ist ausgebrochen.«

183
Zuletzt tät man Herrn Milon sehn,
184
Der nach dem Schlosse lenkte,
185
Er ließ das Rößlein langsam gehn,
186
Das Haupt er traurig senkte.
187
Roland ritt hinterm Vater her
188
Und trug ihm seinen starken Speer
189
Zusamt dem festen Schilde.

190
Doch wie sie kamen vor das Schloß
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Und zu den Herrn geritten,
192
Macht' er von Vaters Schilde los
193
Den Zierat in der Mitten;
194
Das Riesenkleinod setzt' er ein,
195
Das gab so wunderklaren Schein
196
Als wie die liebe Sonne.

197
Und als nun diese helle Glut
198
Im Schilde Milons brannte,
199
Da rief der König frohgemut:
200
»heil Milon von Anglante!
201
Der hat den Riesen übermannt,
202
Ihm abgeschlagen Haupt und Hand,
203
Das Kleinod ihm entrissen!«

204
Herr Milon hatte sich gewandt,
205
Sah staunend all die Helle:
206
»roland! sag an, du junger Fant!
207
Wer gab dir das, Geselle?«
208
»um Gott, Herr Vater! zürnt mir nicht,
209
Daß ich erschlug den groben Wicht,
210
Derweil Ihr eben schliefet!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Uhland
(17871862)

* 26.04.1787 in Tübingen, † 13.11.1862 in Tübingen

männlich, geb. Uhland

deutscher Dichter, Literaturwissenschaftler und Landtagsabgeordneter

(Aus: Wikidata.org)

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