14. Prolog zu dem Trauerspiel

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Ludwig Uhland: 14. Prolog zu dem Trauerspiel (1818)

1
Ein ernstes Spiel wird euch vorübergehn,
2
Der Vorhang hebt sich über einer Welt,
3
Die längst hinab ist in der Zeiten Strom,
4
Und Kämpfe, längst schon ausgekämpfte, werden
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Vor euern Augen stürmisch sich erneun.

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Zween Männer, edel, bieder, fromm und kühn,
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Zween Freunde, treu und fest bis in den Tod,
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Preiswerte Namen deutscher Heldenzeit,
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Ihr werdet sehn, wie sie, geächtet, irren
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Und, in Verzweiflung fechtend, untergehn.

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Das ist der Fluch des unglücksel'gen Landes,
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Wo Freiheit und Gesetz darniederliegt,
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Daß sich die Besten und die Edelsten
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Verzehren müssen in fruchtlosem Harm,
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Daß, die fürs Vaterland am reinsten glühn,
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Gebrandmarkt werden als des Lands Verräter
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Und, die noch jüngst des Landes Retter hießen,
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Sich flüchten müssen an des Fremden Herd.
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Und während so die beste Kraft verdirbt,
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Erblühen, wuchernd in der Hölle Segen,
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Gewalttat, Hochmut, Feigheit, Schergendienst.

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Wie anders, wenn aus sturmbewegter Zeit
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Gesetz und Ordnung, Freiheit sich und Recht
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Emporgerungen und sich festgepflanzt!
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Da drängen die, so grollend ferne standen,
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Sich fröhlich wieder in der Bürger Reihn,
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Da wirket jeder Geist und jede Hand
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Belebend, fördernd für des Ganzen Wohl,
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Da glänzt der Thron, da lebt die Stadt, da grünt
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Das Feld, da blicken Männer frei und stolz;
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Des Fürsten und des Volkes Rechte sind
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Verwoben, wie sich Ulm und Reb umschlingen,
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Und für des Heiligtums Verteidigung
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Steht jeder freudig ein mit Gut und Blut.

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Man rettet gern aus trüber Gegenwart
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Sich in das heitere Gebiet der Kunst,
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Und für die Kränkungen der Wirklichkeit
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Sucht man sich Heilung in des Dichters Träumen.
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Doch heute – wen vielleicht der Bühne Spiel
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Verwundet, der gedenke, sich zum Troste,
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Welch Fest wir wahr und wirklich heut begehn!
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Da mag er sehn, für was die Männer sterben.

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Noch steigen Götter auf die Erde nieder,
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Noch treten die Gedanken, die der Mensch
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Die höchsten achtet, in das Leben ein.
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Ja! mitten in der wildverworrnen Zeit
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Ersteht ein Fürst, vom eignen Geist bewegt,
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Und reicht hochherzig seinem Volk die Hand
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Zum freien Bund der Ordnung und des Rechts.
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Ihr habt's gesehen, Zeugen seid ihr alle,
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In ihre Tafeln grab es die Geschichte!
52
Heil diesem König, diesem Volke Heil!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Uhland
(17871862)

* 26.04.1787 in Tübingen, † 13.11.1862 in Tübingen

männlich, geb. Uhland

deutscher Dichter, Literaturwissenschaftler und Landtagsabgeordneter

(Aus: Wikidata.org)

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