Maria Theresia, die deutsche Frau

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Detlev von Liliencron: Maria Theresia, die deutsche Frau Titel entspricht 1. Vers(1876)

1
Maria Theresia, die deutsche Frau,
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Die große Kaiserin, nimmt es genau
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Mit ihrer katholischen Religion;
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Für die andern Bekenntnisse hat sie den Fron.
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Sie verfolgt die Evangelischen, wo sie kann,
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Doch dürfen sie nach Siebenbürgen ziehn;
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Dorthin tut sie sie in den Bann,
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Dorthin darf ihr Glaube mit ihnen fliehn.

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In Linz liegen drei Schiffe bereit;
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Auf Deck stehn, gedrängt, im Abschiedsleid,
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Viele Familien Hand in Hand
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Zur Abfahrt ins ferne Karpathenland.
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Sie schluchzen ihren Bergen den Scheidegruß,
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Dann trägt die Donau für immer sie weg;
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Sie setzen in die Ferne den Fuß,
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Wo keiner von ihnen kennt Stein und Steg.

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Noch sind die Taue nicht gelöst,
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Noch harrt man des Rufs, der vom Lande stößt.
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Ein letztes Kommando, warum kommt es nicht?
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Ob in Wien es den Räten an Mut gebricht?
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»ein feste Burg ist unser Gott,«
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Das klingt auf einmal von allen her;
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Sie ertragen den Schmerz, sie ertragen den Spott,
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Ihr Glaube ist ihre einzige Wehr.

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Plötzlich am Ufer Gedräng und Gewirr,
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Wüster Lärm, Kreischen, Johlen, Geklirr:
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Es eilen viele Büttel an Bord,
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Und einer verkündet mit rauhem Wort:
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»wir haben Befehl: fahrt ab, fahrt zu,
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Doch bleiben hier eure Kinder dafür,
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Daß ihnen einst wird die himmlische Ruh,
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Sonst sterben sie schutzlos am Ketzergeschwür.«

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Die Leute sind erst wie vernichtet, erstarrt;
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Das war ein Befehl, wie keiner so hart.
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Unmöglich! »Zögert nicht, fahrt ab!
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Der Befehl muß bestehn! Es brach euch der Stab!«
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Wir können doch ohne die Kinder nicht fort!
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»gut! Ändert den Glauben, und ihr bleibt zu Haus.«
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Der Glaube ist unser einziger Hort.
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»so wandert ihr ohne Kinder aus.«

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Auf Erden gibt es kein schwerer Leid:
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Väter und Mütter sind bereit,
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Sie küssen die Kinder zum letztenmal,
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Und sinken zurück in die marterndste Qual.
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Eine Stimme: Stoßt ab! Die Sonne verschied.
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In Gottes Namen soll es sein!
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Dann singen sie alle das Lutherlied,
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Die Schiffe verschwinden im Abendschein:

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Nehmen sie den Leib,
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Gut, Ehr, Kind und Weib:
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Laß fahren dahin!
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Sie habens kein'n Gewinn,
53
Das Reich muß uns doch bleiben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Detlev von Liliencron
(18441909)

* 03.06.1844 in Kiel, † 22.07.1909 in Rahlstedt

männlich

deutscher Autor

(Aus: Wikidata.org)

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