Im südwestafrikanischen Land

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Detlev von Liliencron: Im südwestafrikanischen Land Titel entspricht 1. Vers(1876)

1
Im südwestafrikanischen Land,
2
Bei Kalkfontein, im Aubgebiet,
3
Liegt im ewig sengenden Sonnenbrand
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Ein kühler Kolk zwischen Röhricht und Ried.
5
Es singen die Quellen, sie bieten den Gruß:
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Trinkt! Trinkt! und netzt euch den staubmüden Fuß
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An der klaren, frischen Wasserstelle.

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Wasser! Die Witbois halten es fest;
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Um den Trunk tobt seit drei Tagen der Tod.
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»wasser! Dann mag mich fressen die Pest!
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Nur einen Tropfen in letzter Not!«
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Es plappern die Wellchen kokett und kalt,
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Sie plätschern und plauschen: kommt bald, kommt bald
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An die klare, frische Wasserstelle!

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Vier Tage! Wir stürmen zum fünften Mal,
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Und wäre das Labsal von Teufeln umringt.
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Wasser! Wann endlich endet die Qual!
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Noch einmal gestürmt! Es gelingt, es gelingt!
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Wie in der Heimat durch Wald und Feld
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Sprudelt das Bächlein, o selige Welt,
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An der klaren, frischen Wasserstelle.

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Umsonst! Nun liegen wir mürb und matt,
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Verdurstend, die Lippen sind rissig und wund,
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Der Wahnsinn hält uns am Boden platt,
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Glühheiß ist der Stein dem saugenden Mund.
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Die Nixen winken: Bei uns ist es kühl,
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Kommt, badet mit uns im heitern Gespül
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Der klaren, frischen Wasserstelle.

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»wasser! Wasser! Nur einen Schluck!«
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Einer ruft heilig, schon wirr ist sein Sinn,
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Das Wässerchen drüben äfft gluckgluckgluck:
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»gott führet zum frischen Wasser mich hin.«
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Das Wellchen schwatzt weiter und kichert und lacht
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Und hat seine windigen Scherze gemacht
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Auf der klaren, frischen Wasserstelle.

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In der Batterie herrscht Gräberruh,
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Offiziere und Mannschaft sind zermetzt;
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Kein Schuß mehr, Hans Klapperbein schmunzelt dazu,
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Gefallen fast Alles und zerfetzt.
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Und drüben das Teichlein lädt ungestüm ein:
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Trinkt doch und wascht euch die Wunden rein
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An der klaren, frischen Wasserstelle.

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Getroffen im Unterleib, ächzt der Major,
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In der furchtbaren Hitze, drei Tage lang.
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Kein Arzt. Er rafft sich vergebens empor:
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»wasser!« Er hört nur Höllengesang.
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Durch Tag und Nacht höhnt das Quellengegluck:
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»wasser! Ein einziger kleiner Schluck
49
Aus der klaren, frischen Wasserstelle!«

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Da kriecht ein Sergeant, zerschossen wie er,
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An seine Seite, mühsam, und lallt:
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»ein letzter Rest Rotwein, ich bring ihn her
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Unserm lieben Major; nun trinkt alsbald!«
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Die Quelle ruft drüben ohn Unterlaß:
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Kommt her zu mir, eilt an mein Übermaß,
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An die klare, frische Wasserstelle!

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Der Major, mit gierigem Blick, lehnt ab:
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»dank! Treuer! Trink du! Ich bin nicht mehr nütz.
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Du hast noch Kraft, du bist noch nicht schlapp,
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Schlepp dich zurück an Batterie und Geschütz.«
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Es murmelt das Fließ wie im Paradies,
62
Und klangvoll hüpft über Gries und Kies
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Die klare, frische Wasserstelle.

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Der Sergeant bricht zusammen, der Rotwein mischt
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Sich im mehlichten Sand mit dem sickernden Blut,
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Während beider Qual im Durst erlischt;
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Und Alles feiert und rastet und ruht.
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Die Quelle nur rieselt von Bord zu Bord
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Und läuft und lockt immerfort, immerfort
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Auf der klaren, frischen Wasserstelle.

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Vorwärts! Der letzte Sturm gelingt.
72
Und Alles wirft sich kopfüber hinein,
73
Die Pferde zittern, die Nüster klingt,
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Der Durst ist besiegt, und aus ist die Pein.
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Um die Quelle verzieht sich der Pulverqualm;
76
Von Leben und Lorbeer flutet ein Psalm
77
Ob der klaren, frischen Wasserstelle.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Detlev von Liliencron
(18441909)

* 03.06.1844 in Kiel, † 22.07.1909 in Rahlstedt

männlich

deutscher Autor

(Aus: Wikidata.org)

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