Der Marschall steht oben am Fenster im Schloß

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Detlev von Liliencron: Der Marschall steht oben am Fenster im Schloß Titel entspricht 1. Vers(1876)

1
Der Marschall steht oben am Fenster im Schloß
2
Und starrt in den einsamen Garten.
3
Schon ein Jahrzehnt, das ihm verfloß;
4
Wie lang läßt der Tod auf sich warten.
5
»was soll mir das Leben, was soll mir der Tag,
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Zu dem ich mich freuen nicht kann und nicht mag;
7
Längst bin ich vergessen, vergessen.

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Und nicht ertrüg ich, wenn je ein Soldat
9
Vorbei meinem Hause marschierte,
10
Und gar, wenn hier unten im staubigen Staat
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Ein Bataillon präsentierte.
12
Zehn Jahre bald sah ich kein Regiment;
13
Und zög eins vorbei, dann wär es mein End,
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Ich könnts nicht ertragen, ertragen.«

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Horch! Horch! Pumplum, ganz schwach und leis,
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Wie Trommelgetön in der Leere.
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Im Walde dort drüben, im Sonnenstrahl heiß,
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Es blitzen wohl tausend Gewehre.
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Nun zieht es heran, nun zeigt es sich schon,
20
Mit lustigen Liedern ein Bataillon,
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Soldatengesänge, Gesänge.

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Und dem Marschall wird kalt, und der Marschall wird bleich,
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Es beben ihm alle Glieder.
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Rasch stürzt er ins Zimmer; im Waffenrock gleich
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Steht er am Fenster wieder.
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Im Knopfloch hängt am blutroten Band,
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Zum ersten Mal trägt ers, seitdem er verbannt,
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Das Kreuz der Ehre, der Ehre.

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Das Bataillon steht links eingeschwenkt,
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Der Kommandeur vor der Mitte;
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Die Fahne ist tief zur Erde gesenkt,
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Wie eine stumme Bitte.
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Doch dann bricht ein Hurra wie Donner heraus,
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Der Burghof zittert, der Garten, das Haus:
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Es lebe der Kaiser, der Kaiser!

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Und in Sektionen rechts abgeschwenkt,
37
Der Kommandeur an der Tete.
38
Der Schloßherr hat schwer das Haupt gesenkt:
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Die Fahne, sie wehte, sie wehte.
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Sie wehte noch immer, die Trommel klang,
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Als der Marschall sich über die Brüstung schwang –
42
Lebt wohl, Soldaten, Soldaten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Detlev von Liliencron
(18441909)

* 03.06.1844 in Kiel, † 22.07.1909 in Rahlstedt

männlich

deutscher Autor

(Aus: Wikidata.org)

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