Heut durch den ganzen Tag war ich gezwungen

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Detlev von Liliencron: Heut durch den ganzen Tag war ich gezwungen Titel entspricht 1. Vers(1876)

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Heut durch den ganzen Tag war ich gezwungen
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An meine ferne Heimatwelt zu denken.
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Weit liegt sie fort, weit fort.
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Die schöne Fürstin
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Durft' ich zu Tische führen, wo sich lebhaft
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Gespräch entwickelt, Geist an Geist entzündet.
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Doch immer, wie gebannt, in Red' und Antwort
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Lag mir ein einsamstilles Feld im Sinn:
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Der Pflüger zieht dort Furche hinter Furche,
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Von Krähen nah begleitet, die ganz scheulos
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Mit emsigen Schnäbeln Engerlinge suchen.
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Der Frühlingshimmel, wolkenlos, wärmt schon
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So stark, daß sich der junge Bauer bald
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Die Jacke abgezogen hat. Und nun,
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Die Leine um die Schulter, schneidet er,
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Den widerspenstigen Sterz fausthart umfassend,
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Durch's Herz das alte gute Mutterland.
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»o nein, Sie müssen wissen, gar nicht so,
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Wie wir uns einen Dichter vorgestellt ...«
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Was denn? Wer denn? Mir steht nur immerfort
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Der junge Knecht, der brave Pflug vor Augen.
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»den Landmann meinen Hoheit?« »Ah, c'est drôle ...«

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Am Abend war mit lustigen Künstlern ich
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Zusammen. Lärmend drang es in die Nacht
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Aus unsern Fenstern auf die stummen Straßen.
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Ein muntres Weibsgesindel hielt mit uns.
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Mir saß die schwarze Olga auf dem Schoße.
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Sie fällt mir um den Hals, sie tuschelt mir:
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»komm nun, mach zu, komm, komm, wir wollen gehn ...«
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Ich aber schau' dem letzten blassen Mond,
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An ihr vorüber, in sein Traumgesicht –
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Und vor mir wieder glänzt der Frühlingstag:
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Der Pflug, das Krähenvolk, die schwitzenden Pferde;
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Die aufgeworf'ne Scholle, wie sie trieft!
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Abseits des Ackers liegt ein sandiger Weg,
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Von Knicks und Wällen rechts und links besäumt.
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An einer Weide dort, wo erste Kätzchen,
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Wohl hundertbüschlig, sanft im Westwind schaukeln,
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Steh' in Gedanken ich, und meine Hand
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Greift in den Busch, daß seine Blüten stäuben.
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Und meine Sehnsucht dehnt die straffsten Flügel ...
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Da biegst du, Mädchen plötzlich aus der Hecke,
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Du, derer ich gedenke mondelang,
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Du, der ich meine ganze Seele hingab.
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Wie konnt' ich ahnen, hier dir zu begegnen,
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An dieser aller Welt entlegnen Stelle.
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Sie naht ... ich starre ... jetzt ... in gleicher Höhe ...
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»halt an, bei Gott, halt an, ich liebe dich;
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Ich weiß, du bist des andern treue Braut.«
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Und sie – hält an, und lächelt: »Dummer Junge,
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Bin ich des andern Braut, was geht's dich an?
52
Ich bin ihm treu, doch liebst du wirklich mich,
53
Was zögerst du, wenn du mich küssen willst;
54
Einmal ist keinmal ...«
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Was doch wohl die Weide,
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Das saftgeschwollne Bäumchen übersegnet ...

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Detlev von Liliencron
(18441909)

* 03.06.1844 in Kiel, † 22.07.1909 in Rahlstedt

männlich

deutscher Autor

(Aus: Wikidata.org)

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