An meinen Schreibtisch lehn' ich. Meine Hand

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Detlev von Liliencron: An meinen Schreibtisch lehn' ich. Meine Hand Titel entspricht 1. Vers(1876)

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An meinen Schreibtisch lehn' ich. Meine Hand
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Durchgleitet leicht ein rotes Nackenband,
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Erinnrung einer Zeit, die längst verfloß,
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Da heiß ein Mädchen mir den Hals umschloß.
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Die junge Gräfin, heimgekehrt, mir graut,
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Soll heut ich wiedersehn, des andern Braut.

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Die Haide, wo so reiches Leben sprießt,
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Die unabsehbar auseinanderfließt,
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Trennt mich von ihr; die muß ich erst durchgehn,
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Eh' kann ich nicht des Schlosses Türme sehn.

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Schon bin ich auf dem Weg. Nur eine Birke,
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Als einziger Baum im ganzen Grenzbezirke,
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Steht auf der Haide, trostlos und verloren,
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Als hätte diesen Platz für sich erkoren
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Ein Träumender, als fänd' er hier den Frieden
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In tiefem Denken, allem abgeschieden.

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Der Herbstwind nahm ihr alle Blätter fort,
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Nur eines blieb, es weht, verwelkt, verdorrt
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Am höchsten Zweige, wie vom hohen Mast,
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Von Sonnengold durchtränkt, in Überhast.
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So wimpelt wohl vom Schiff das Fähnchen her,
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Kehrt's heimatshafenfroh aus weitem Meer.
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Ich bin zur Stelle und geziemendlich
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Verbeug' ich vor der schönen Gräfin mich.
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Ein wenig länger halt' ich ihre Hand
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Beim Kusse, wie ein altes Liebespfand.
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Ihr Auge bittet mich, ihr Auge fleht,
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Und überwunden, ist das Glück verweht.
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Wir lachen, scherzen, sprechen dies und das,
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Das Menschenleben ist ein Faschingsspaß.

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Und wieder bin ich auf dem Weg nach Haus,
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Ein milder, sanfter Regen weint sich aus,
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Wie Frühlingsregen. Langsam schreit' ich hin,
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Mir ist der Gang so schwer, so trüb' der Sinn.
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Es überholte mich ein Krähenschwarm –
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Um ihre Schulter legt' ich meinen Arm,
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So war es mir; wir zogen ohne Wort
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Gesenkten Hauptes in die Ferne fort.
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Ein Kind ging mit uns wie von ungefähr,
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Ein kleiner Knabe, und ich weiß es, wer.
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Er gab die Händchen uns, sein Antlitz trägt
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Der holden Mutter Züge eingeprägt.
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Du Knabe, nie geboren – und allein
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Nur wandert mit mir meine Seelenpein.

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Bald bin ich bei der Birke angelangt,
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Dem Blättchen oben hat nach mir gebangt.
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Es hängt so still in nebelfeuchter Ruh,
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Es kann nicht lustig flattern immerzu.
49
Der Abend dämmert, weither scheint ein Licht,
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Das einsam aus der Haidekathe bricht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Detlev von Liliencron
(18441909)

* 03.06.1844 in Kiel, † 22.07.1909 in Rahlstedt

männlich

deutscher Autor

(Aus: Wikidata.org)

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