Auf der Hügelhöh im Dorf

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Detlev von Liliencron: Auf der Hügelhöh im Dorf Titel entspricht 1. Vers(1876)

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Auf der Hügelhöh im Dorf
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Wohnt die schöne Annmarei,
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Und ich geh' dort gern vorbei,
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Führt mein Weg in jene Richtung.
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Auf der Hügelhöh im Dorf
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Wohnt die schöne Annmarei,
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Und ich geh' dort gern vorbei.
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Könnt' ich sie doch einmal treffen,
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Thät ich gleich die Segel reffen,
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Ließ mein Schifflein ihr zur Seiten
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Sanfthin eine Strecke gleiten,
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Würde Bord mit Bord verbrücken,
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Um die Hände ihr zu drücken.
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Auf der Hügelhöh im Dorf
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Wohnt die schöne Annmarei,
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Und ich geh' dort gern vorbei,
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Führt mein Weg in jene Richtung.

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Sonntag war es, gegen fünf,
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Unterm blauen Himmelsplan
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Füllt sich Krug und Kegelbahn
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Mit geputzten Sommergästen.
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Sonntag war es, gegen fünf,
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Unterm blauen Himmelsplan
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Füllt sich Krug und Kegelbahn.
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Abseits diesem Frohgedränge
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Schritt ich durch die Wiesenhänge.
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Weiß ich's denn und kann ich's ändern,
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Daß ich muß in's Dörfchen schlendern?
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Alles scheint hier ausgeflogen,
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In die weite Welt gezogen.
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Sonntag war es, gegen fünf,
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Unterm blauen Himmelsplan
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Füllt sich Krug und Kegelbahn
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Mit geputzten Sommergästen.

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An die offne Thür gelehnt,
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Fand verdrießlich ich Marein,
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Und sie stand da ganz allein,
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Um das leere Haus zu hüten.
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An die offne Thür gelehnt,
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Fand verdrießlich ich Marein,
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Und sie stand da ganz allein.
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Zu Bekannten heut in's Städtchen
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Fuhren Eltern, Knecht und Mädchen,
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Sagt sie schmollend auf mein Fragen,
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Und ich denke, frisches Wagen
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Hilft viel schneller aus der Schwebe,
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Als ein langes Wortgewebe.
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An die offne Thür gelehnt,
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Fand verdrießlich ich Marein,
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Und sie stand da ganz allein,
51
Um das leere Haus zu hüten.

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Und ich bat mich ihr zu Gast,
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Lachend bittet sie: Geschwind,
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Findest mich als Waisenkind.
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Und wir gehn durch Hof und Garten.
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Und ich bat mich ihr zu Gast,
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Lachend bittet sie: Geschwind,
58
Findest mich als Waisenkind.
59
Wie die Rosen einsam glühen,
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Wie die Lilien einsam blühen,
61
Wie die Vögel einsam singen;
62
Und ein Zicklein seh' ich springen,
63
Und die Kühe hör' ich prusten
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Und ein Pferd im Stalle husten.
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Und ich bat mich ihr zu Gast,
66
Lachend bittet sie: Geschwind,
67
Findest mich als Waisenkind.
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Und wir gehn durch Hof und Garten.

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Freundlich bringt sie Milch und Brot,
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Heiß ist's draußen, heiß und schwül,
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Kühl im Zimmer, wunderkühl –
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Macht Gelegenheit nicht Diebe?
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Freundlich bringt sie Milch und Brot,
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Heiß ist's draußen, heiß und schwül,
75
Kühl im Zimmer, wunderkühl.
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Wie sich unsre Lippen fanden,
77
Haben wir uns nie gestanden.
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Wie sich Mund zu Mund gefunden,
79
Wer vergäße solche Stunden.
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Welch ein Kämpfen, welch ein Küssen,
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Welch ein süßes Findenmüssen.
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Freundlich bringt sie Milch und Brot,
83
Heiß ist's draußen, heiß und schwül,
84
Kühl im Zimmer, wunderkühl –
85
Macht Gelegenheit nicht Diebe?

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Endlich geht der Tag zur Ruh,
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Und es dunkelt und wird Nacht,
88
Eh' das Lämpchen noch entfacht –
89
Vor der Pforte hält ein Wagen.
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Endlich geht der Tag zur Ruh,
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Und es dunkelt und wird Nacht,
92
Eh' das Lämpchen noch entfacht.
93
Auf verschwiegnen Waldeswegen
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Klopft mein Herz in lauten Schlägen.
95
Windesstarre, Blätterschweigen
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Hängt wie Sargtuch an den Zweigen.
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Tod, was wirfst du deine Maschen,
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Wo sich Liebesgötter haschen.
99
Endlich geht der Tag zur Ruh,
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Und es dunkelt und wird Nacht,
101
Eh' das Lämpchen noch entfacht –
102
Vor der Pforte hielt ein Wagen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Detlev von Liliencron
(18441909)

* 03.06.1844 in Kiel, † 22.07.1909 in Rahlstedt

männlich

deutscher Autor

(Aus: Wikidata.org)

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