Mit meinen Teckeln ging ich heut' in's Holz

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Detlev von Liliencron: Mit meinen Teckeln ging ich heut' in's Holz Titel entspricht 1. Vers(1876)

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Mit meinen Teckeln ging ich heut' in's Holz,
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Am Strick sie führend, daß die hitzigen Kleinen
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Nicht kläffend mir vertrautes Wild verscheuchten.
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Der Morgen glänzt wie ein Paradefeld.
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Im Tau perlt Blume noch und Blatt und Gras,
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Nur trocken da, wo sich die Sommersonne
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Mit heißen Lippen schon den Trunk geholt.

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Im Walde schwieg es heilig überall.
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Als vom gewohnten Weg ich abwärts bog,
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Um eine Wiesenblöße aufzusuchen,
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Entdeckt' ich dort, von Himmelslicht umleuchtet,
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Ist's Gaukelspiel, kann ich den Augen trauen,
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Sanft eingeschlafen, mit dem Haupt im Schatten,
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Den kleinen Gott, der so viel Unheil stiftet.
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Und wie das Kind, das seine Weihnachtspuppe
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In's Bettchen nahm, glückselig dann entschlief,
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So hielt er fest mit seinen kecken Fäustchen
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An seine Brust geschlossen Pfeil und Bogen.
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Er wandte mir den rosigen Rücken zu,
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Den Köcher zwischen seinen Flügeln zeigend.
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Und nun die Dächsel ... Wollt ihr!.. Daß der Kukuk!..
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Ich schnüre ihnen fast die Kehlen zu,
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So emsig, mit gesträubtem Nackenhaar,
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War ihr Gezerr ... Um Himmelswillen! Wollt ihr!
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Daß ihr mir nicht den süßen Bengel weckt!
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Weh mir, wenn er erwacht, er schenkt sofort
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Der Senne seinen Pfeil, den ersten, besten,
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Und trifft mein Herz, und trifft es unbarmherzig,
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Daß ich der Liebe Qualen dulden muß,
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Der Liebe Leiden, die vieltausendmal,
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Hält Venus, wiegend, in der Hand die Wage,
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Der Liebe Lust schwerlastend niederdrücken.

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Schon bin am Holzesrand ich, immer noch
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Die heftigen Hunde ängstlich mit mir ziehend.
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Und vor mir schimmert weit ein helles Land.
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In seine Stille schau' ich lang hinein.
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Und mählig, während ich die Augen tränke
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In all' den Morgenfarben, steigt ein Wunsch:
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Wenn dort um eine schöne Schulter ich,
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Durch Duft und bunte Blumengrüße schreitend,
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Den Arm gelegt, indeß die andre Hand
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Ein liebes Händchen hält; und zu mir auf
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Ein Auge blickt, das ich mein Leben nennte ...
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Die Teckel laß ich fort, daß ihr Geläut
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In fernen Gründen bald erstirbt, verhallt.
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Ich selber dann, nicht hastiger kann ein Mensch
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Sich Bahn durch Busch und störrige Zweige brechen,
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Enteile meinem Ort und lauf' waldein,
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Und komme atemlos an jene Stelle,
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Wo Amor seinen frühen Schlummer hielt.
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Doch ach, verschwunden ist der Liebesgott.
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Die Gräser, wo er ruhte, heben mühsam
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Sich auf vom Druck; nur eine Königskerze,
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Durchaus geknickt aus ihrer stolzen Höhe,
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Brach ich vom Grund, sie an den Hut mir steckend,
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Und eine Weile stand ich sehr verblüfft ...

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Detlev von Liliencron
(18441909)

* 03.06.1844 in Kiel, † 22.07.1909 in Rahlstedt

männlich

deutscher Autor

(Aus: Wikidata.org)

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