Das war beredet und besprochen

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Detlev von Liliencron: Das war beredet und besprochen Titel entspricht 1. Vers(1876)

1
Das war beredet und besprochen,
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Wie lange her, ich ahn' es nicht.
3
Der Tag ist da, die Pulse pochen,
4
Die Flocken fallen träg und dicht.
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Im fremden Dorf, im fremden Saale,
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Es kennt uns keiner, welche Lust,
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Wir drehn uns unter'm Kerzenstrahle,
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Wie schweißt die Liebe Brust an Brust.

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Und eng gedrängt im regen Schleifer,
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Entzünden wir uns mehr und mehr,
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Ich fühl's, ich bin Besitzergreifer,
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Ich weiß auch, das ist dein Begehr.
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Geheimnisvoller Schatten breitet
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Sich über unser Stelldichein,
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O komm, ein Zimmer liegt bereitet,
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Ein traut Gemach, wir sind allein.

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Der Wirt, mit artigem Verneigen,
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Läßt uns hinein, wünscht gute Nacht,
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Kein Späher horcht, die Sterne schweigen,
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Und stumm ist rings die Winterpracht.
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Und wie beim Fest die Hochzeitsgäste
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Noch weiter jubeln bei Musik,
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Verklingt, verhallt in unserm Neste
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Gejauchz und Violingequiek.

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Wie bin ich schnell bei Band und Schnallen,
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Sie wehrt sich, sie verweigert's mir,
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Und ist mir um den Hals gefallen,
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Verwirrung schloß die Augen ihr.
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Noch sträubt sie sich, schon fällt die Hülle,
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Sie will nicht und sie muß, sie muß,
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Und bringt mir ihre süße Fülle,
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Und bringt sie mir in Glut und Kuß.

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Der Morgen naht in tiefer Stille,
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Sie schläft erschöpft im weichen Flaum,
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Noch drang nicht durch die Ladenrille
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Das Frührot in den heiligen Raum.
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Die Ampel gießt in Dämmermilde
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Ein Zartlicht ihr um Brust und Arm,
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Und auf das himmlische Gebilde
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Sah lächelnd ich und liebewarm.

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Und eh' die Sonne sich erhoben,
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Sind wir schon unterwegs im Schnee,
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Da hab' ich sie emporgehoben,
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Und trug sie, ein verzognes Reh.
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Und trug sie bis an ihre Kammer,
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An's Erdenende thät ich's noch,
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Sie aber wollte kaum die Klammer
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Entlösen meinem Nackenjoch.

49
Die erste Krähe läßt sich hören,
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Leb' wohl, mein Schatz, auf Wiedersehn.
51
Und durch die hochbeschneiten Föhren
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Muß nun den Weg allein ich gehn.
53
Die Sonne steigt, und tausend Funken
54
Durchglitzern das beeiste Feld.
55
Von Glück und Liebe bin ich trunken,
56
O Gott, wie herrlich ist die Welt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Detlev von Liliencron
(18441909)

* 03.06.1844 in Kiel, † 22.07.1909 in Rahlstedt

männlich

deutscher Autor

(Aus: Wikidata.org)

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