Heidebilder

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Detlev von Liliencron: Heidebilder (1876)

1
Tiefeinsamkeit spannt weit die schönen Flügel,
2
Weit über stille Felder aus.
3
Wie ferne Küsten grenzen graue Hügel,
4
Sie schützen vor dem Menschengraus.

5
Im Frühling rauscht in mitternächtiger Stunde
6
Die Wildgans hoch in raschem Flug.
7
Das alte Gaukelspiel: in weiter Runde
8
Hör' ich Gesang im Wolkenzug.

9
Verschlafen sinkt der Mond in schwarze Gründe,
10
Beglänzt noch einmal Schilf und Rohr.
11
Gelangweilt ob so mancher holden Sünde,
12
Verläßt er Garten, Wald und Moor.

13
Die Mittagsonne brütet auf der Heide,
14
Im Süden droht ein schwarzer Ring.
15
Verdurstet hängt das magere Getreide,
16
Behaglich treibt der Schmetterling.

17
Ermattet ruhn der Hirt und seine Schafe,
18
Die Ente träumt im Binsenkraut,
19
Die Ringelnatter sonnt in trägem Schlafe
20
Unregbar ihre Tigerhaut.

21
Im Zickzack zuckt ein Blitz, und Wasserfluten
22
Entstürzen gierig feuchtem Zelt.
23
Es jauchzt der Sturm und peitscht mit seinen Ruten
24
Erlösend meine Heidewelt.

25
In Herbstestagen bricht mit starkem Flügel
26
Der Reiher durch den Nebelduft.
27
Wie still es ist, kaum hör' ich um den Hügel
28
Noch einen Laut in weiter Luft.

29
Auf eines Birkenstämmchens schwanker Krone
30
Ruht sich ein Wanderfalke aus.
31
Doch schläft er nicht, von seinem leichten Throne
32
Aeugt er durchdringend scharf hinaus.

33
Der alte Bauer mit verhaltnem Schritte
34
Schleicht neben seinem Wagen Torf.
35
Und holpernd, stolpernd schleppt mit lahmem Tritte
36
Der alte Schimmel ihn in's Dorf.

37
Die Sonne leiht dem Schnee das Prachtgeschmeide,
38
Doch ach! wie kurz ist Schein und Licht.
39
Ein Nebel tropft, und traurig zieht im Leide
40
Die Landschaft ihren Schleier dicht.

41
Ein Häslein nur fühlt noch des Lebens Wärme,
42
Am Weidenstumpfe hockt es bang.
43
Doch kreischen hungrig schon die Rabenschwärme
44
Und hacken auf den sichern Fang.

45
Bis auf den schwarzen Schlammgrund sind gefroren
46
Die Wasserlöcher und der See.
47
Zuweilen geht ein Wimmern, wie verloren,
48
Dann stirbt im toten Wald ein Reh.

49
Tiefeinsamkeit, es schlingt um deine Pforte
50
Die Erika das rote Band.
51
Von Menschen leer, was braucht es noch der Worte,
52
Sei mir gegrüßt du stilles Land.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Detlev von Liliencron
(18441909)

* 03.06.1844 in Kiel, † 22.07.1909 in Rahlstedt

männlich

deutscher Autor

(Aus: Wikidata.org)

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