Der König, der in Banden war

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Detlev von Liliencron: Der König, der in Banden war Titel entspricht 1. Vers(1876)

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Der König, der in Banden war
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Des Grafen von Schwerin.
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Das war der König Waldemar,
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Verstäubter Hermelin.
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Er sah vom Gitterfenster aus
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Nur Schwalbenflug und Fledermaus,
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Und sah die Wolken ziehn.

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Bis er versprach, das ganze Land,
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Wo deutscher Stamm und Kern,
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Zurückzugeben in die Hand
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Der anerkannten Herrn.
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Doch als er los in Lenz und Flur,
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Vergißt er bald den Friedenschwur,
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Und glaubt an seinen Stern.

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Auf Märschen lang und Märschen heiß
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Des Königs Helmbusch vorn,
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Der nickt und winkt scharlach und weiß
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Und grüßt den Güldensporn.
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Bis mitt' im Holstenland er hält,
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Den Pflock einschlägt für Zaum und Zelt
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Im sichelreifen Korn.

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Genüber schnitzt sein Widerpart
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Den Pfeil sich und den Bolz,
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Von Bremen Bischof Gerihardt,
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Graf Adolf, Holstenstolz.
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Und Lübeck Bürgermeister fuhr
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Dem Dänen an die Gurgelschnur,
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Daß dem die Seele schmolz.

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Maria Magdalenentag,
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Mittsommersonnenschein,
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Gelärm auf Schild und Eisendach,
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Die Lanzen rasseln drein.
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Doch allzuscharf die Sonne sticht
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Dem Holstenvolk ins Treugesicht,
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Die Reihen werden klein.

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Wie Blatt und Zweig im Bachgespül,
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So treibt manch blond Gesell.
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Graf Adolf nur im Kampfgewühl,
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Er treibt nicht von der Stell'.
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Und bald aus Bach wird Strom und Schaum,
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Nimmt Blumen mit und Ast und Baum,
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Wie treibt die Woge schnell!

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»maria Magdalena, hilf,
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Dämm' ab die Dänenflut,
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Du hebst zerknicktes Rohr und Schilf,
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Gieb uns den alten Mut,
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Am Himmel zeig' dein Siegpanier,
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Auf immer will ich dienen dir
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In Hulden treu und gut.«

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Der Graf packt fest in Zeug und Riem,
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Sieg oder untergehn.
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Da sieh! am Himmel zeigt sich ihm
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Maria Magdalen,
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Und breitet ihren Mantel aus,
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Die Sonne zieht ins Wolkenhaus,
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Und kühle Winde wehn.

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Hei! flog der Graf ins Schlachtgedräng,
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Die Axt durchbricht den Wald,
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Um seinen Harnisch im Gemeng
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Die Holstentatze krallt.
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Und kratzt dem Dänen Bart und Bein,
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Und hackt sich ihm ins Fleisch hinein,
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Bis blaß er wird und kalt.

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Herr Waldemar, der Dänen Schild,
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Wie heißes Eisen glüht.
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In seinen Augen roth und wild
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Die Zornesblume blüht.
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»du Hundegraf, du Hurensohn,
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Ich mähe dich wie Wiesenmohn,
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Des Königs Lippe sprüht.

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Hin, hin auf weisem Friesenhengst,
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Schwert klirrt und Panzerkleid,
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»du Frosch, daß in den Schlamm du sänkst,«
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Der König schreit es weit.
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Der Graf sich wie der Löwe hebt,
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Sein Helmbusch wie die Möwe schwebt
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Auf Wassern, stoßbereit.

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Ein Pantherthier vom Pfeil geritzt,
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Der König wütend schlägt.
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Herr Adolf ihm im Nacken sitzt,
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Den Widerschlag verlegt,
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Und stößt den König auf die Knie',
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Der betet: »Jesus und Marie!« –
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Vom Roß der Graf, bewegt.

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Und hebt ihn auf den Sattel sacht,
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Gewonnen ist das Spiel,
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Und trägt ihn durch die Sternennacht
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Bis auf sein Schloß zu Kiel.
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Er löst ihm Kettenhemd und Schien',
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Und stellt ihm Rosen und Jasmin
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Um seine Wunden viel.

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Dann denkt er an Maria rein
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Und an sein heißes Flehn.
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Er ministrirt am Altarschrein,
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Und barfuß muß er gehn.
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Als Bettelmönch mit Spottgewinn,
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So dankt er seiner Helferin
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Marien Magdalen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Detlev von Liliencron
(18441909)

* 03.06.1844 in Kiel, † 22.07.1909 in Rahlstedt

männlich

deutscher Autor

(Aus: Wikidata.org)

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