Heimat

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Louise Otto: Heimat (1857)

1
Viel tausend Menschen hat es sonst gegeben,
2
Die nie hinaus aus Stadt und Dorf gekommen,
3
Im selben Haus da sie erwacht zum Leben,
4
Ist ihnen auch sein letzter Strahl verglommen.

5
Einförmig ward der Faden fortgesponnen
6
Und reichte niemals über weite Grenzen,
7
Doch eine Welt von Leiden und von Wonnen
8
Fand darin Raum in bunten Wechseltänzen.

9
Das enge Haus hielt selbst den Sinn gebunden,
10
Und Haus und Hof war allem lieb und teuer,
11
Man fürchtete des Heimweh's tiefe Wunden,
12
Wenn man verließ des trauten Herdes Feuer. –

13
Das war vordem – da gab's noch weite Fernen –
14
Da gab's noch enge festgeschlossne Kreise,
15
Es mochte kaum ein Volk vom andren lernen
16
Und jeder Gau bewahrte seine Weise.

17
Jetzt aber drängt's die Heimat zu verlassen
18
So jung als alt und zieht sie weit und weiter,
19
Es wird der Dampf für ganze Völkermassen
20
Zum ruhelosen lockenden Begleiter.

21
Wohl ist es schön, die schöne Welt durchfliegen,
22
Wo immer neue Wunder sich erschließen
23
Im Schauen und im Staunen sich zu wiegen,
24
Natur und Kunst begeistert zu genießen.

25
Wohl ist es schön im fernen Land zu weilen
26
Das Edle auch im fremden Volk erkennen.
27
Mit ihm das Streben nach dem Höchsten teilen
28
Im Dienst der Menschheit sich verbunden nennen

29
Doch dreimal schöner wenn Erinnerungen,
30
An solche Zeiten uns die Heimath schmücken
31
Und wenn der Boden, den wir selbst entsprungen
32
Uns noch vermag wie einstens zu beglücken

33
Wohl ist's ein E lück, das Wen'gen, ist beschieden
34
Wenn uns die Stätte wo wir einst geboren,
35
Wo wir geträumt im holden Jugendfrieden,
36
Im Alter noch als Heimat unverloren.

37
Wenn wir, was da wir strebten und empfunden,
38
Auch in der Ferne weiter groß gezogen
39
Wenn, was wir hier gelobt in heilgen Stunden
40
Verleugnet nie in stürmschen Lebenswogen.

41
Wenn wir die Heimat so bewußt betreten,
42
Gedenkend gern so alt als neuer Zeiten,
43
Dann kommt es über uns wie stilles Beten,
44
Wie mildes Abendrot vor'm letzten Scheiden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Louise Otto
(18191895)

* 26.03.1819 in Meißen, † 13.03.1895 in Leipzig

weiblich, geb. Otto

sozialkritische Schriftstellerin, Demokratin und eine Mitbegründerin der bürgerlichen deutschen Frauenbewegung

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.