Wie wogt durch Frankfurts Straßen ein festliches Gedränge

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Louise Otto: Wie wogt durch Frankfurts Straßen ein festliches Gedränge Titel entspricht 1. Vers(1857)

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Wie wogt durch Frankfurts Straßen ein festliches Gedränge
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Wie scheinen die Paläste, der Kaisersaal zu enge,
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Wie flattert hochgewaltig das deutsche Banner vor,
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Wie steigt des Reiches Adler so siegesstolz empor.

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Das ist der Hohenstauffe, der edle Friederich,
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Dem jeder Nebenwerber vom Kaiserthrone wich,
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Das ist Held Barbarossa, erwählet und gekrönt,
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Zu dessen Ehr' und Feier die Stadt von Jubel tönt.

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Tagüber Schauturniere und abends Spiel und Tanz,
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Ein frei und froh Gebahren und heitrer Mummenschanz,
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Niemanden wird der Zutritt zum Kaiserpaar verwehrt
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Der Bürger wie der Ritter sind hier gleich hochgeehrt.

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Zur Kaiserin der holden im schönen Damenkranz,
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Tritt eine Heldenmaske und fordert sie zum Tanz,
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Ein Mann von hohem Wuchse und ritterlicher Art,
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In dem sich Kraft und Stärke mit feiner Sitte paart.

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Von seinem Arm umfangen, wie schwebt die Kaiserin
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An seiner Seite fröhlich durch alle Reihen hin,
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Wie lauscht sie seiner Rede und denket still bei sich:
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Wie er vor allen andern so hold und ritterlich.

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Dem Tanze folgt ein zweiter, sie bleibt an seiner Hand –
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So Stund' auf Stunde eilend bis zu der letzten schwand,
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Da sich die Masken lösten und Freund und Feind sich kennt –
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»herr Ritter, Euren Namen nun Eurer Kais'rin nennt!«

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Sie sprachs mit holdem Lächeln und nahm die Maske fort –
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Er folgte ihrem Beispiel – doch sprach kein einzig Wort –
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Bleich wie der Tod sein Antlitz und rings ein Schreckensschrein,
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Weit von ihm weichen alle, er stand geflohn, allein!

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»
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Unehrlich wer berühret ihn nur ein einzig' mal,«
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Die Kais'rin barg ihr Antlitz vor solcher großer Schmach
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Der Kaiser hoch erzürnet die Donnerworte sprach:

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»werft ihn hinaus und morgen mit seinem eignen Schwert
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Soll er gerichtet werden, er ist des Todes wert!« –
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Doch jeder Knecht auch fürchtet, das er den Henker streift –
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Indeß die Kais'rin selber des Armen Hand ergreift.

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Sie hat sich aufgerichtet, und hold wie Rosenthau
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Glüht minniglich das Antlitz der kaiserlichen Frau,
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Vor Barbarossa nieder sinkt sie auf ihre Knie'
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Und fleht als ob ein Seraph ihr seine Stimme lieh!

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»ihr laßt mir nicht entgelten, was ist zur Stund' geschehn,
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Ihr werdet's nimmer dulden unehrlich mich zu sehn;
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Doch müßt' es Schmach mir bringen, wenn Ihr den Tod verfügt
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Ob den, der mich im Tanze in seinem Arm gewiegt.«

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»verzeihen ist des Weibes und ist des Fürsten Pflicht,
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Weh' ihr und ihm, wenn jemals die Gnade ihm gebricht,
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Um mein- um seinetwillen vergesset und vergebt!«
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Ihr flehend' Aug' sich leuchtend zu dem Gemahl erhebt.

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Nie hat er widerstanden solch minniglichem Blick,
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Er bannt die finstern Geister in seine Brust zurück,
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Der Zorn auf seiner Stirne schon weicht er allgemach,
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Da auch der Henker selber zu seinen Füßen lag:

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»herr Kaiser« ruft begeistert des Henkers bleicher Mund –
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»thut Eure Gnade würdig so edlen Weibes kund,
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Zu ihrer Reinheit nimmer reicht das Verhängnis je,
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Das ich an meine Schritte als Fluch geheftet seh.«

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»zu ihrer Hoheit nimmer reicht niedern Mannes Art,«
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Doch ist dem hohen Weibe noch höhre Kraft gepaart:
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Es kann befrein, erlösen, in welche tiefe Schmach
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Des Mannes rauhes Wesen ihn auch verstricken mag.«

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»unehrlich kann nicht werden durch mich die Kaiserin,
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Weil sie zu hoch erhaben und ich so niedrig bin,
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Doch ich kann ehrlich werden durch ihre Gnad und Huld –
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Drum nehmt mit Eurem Schwerte von mir so Schmach als Schuld!«

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Der Kaiser hört's mit Staunen und sieht die Gattin an,
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Dem Kaiser wie dem Henker hat sie es angethan;
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Mit ihren milden Augen daraus ein Engel blickt,
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Da hat sie selbst dem Gatten das Schwert zur Hand gedrückt.

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Er hebt es und mit Lächeln zu dem, der vor ihm kniet
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Spricht er: »
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Und Ritter gleich dem Besten seid ihr von diesem Tag,
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Empfangt vor allen Edlen von mir den Ritterschlag.«

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»heil, Heil dem Kaiser!« jauchzte der Gäste große Zahl,
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Still aus der Kais'rin Auge sich eine Thräne stahl,
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Der neue Ritter fühlte sie heiß auf seiner Hand,
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Die wars die ihn geadelt vom alten Fluch entband.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Louise Otto
(18191895)

* 26.03.1819 in Meißen, † 13.03.1895 in Leipzig

weiblich, geb. Otto

sozialkritische Schriftstellerin, Demokratin und eine Mitbegründerin der bürgerlichen deutschen Frauenbewegung

(Aus: Wikidata.org)

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