2. Argula von Grumbach

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Louise Otto: 2. Argula von Grumbach (1857)

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Argula hat des Lebens Glück genossen –
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Die Liebe führte sie zum Traualtar,
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Froh ward das heilig feste Band geschlossen,
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Das »Ja« entquoll der Lippe frei und wahr,
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Und treu vereint dem liebenden Gefährten
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Ward ihr des Weibes schönstes Los auf Erden!

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Doch lange nicht – in edler Liebe Feier,
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Nur wenig Jahre waren hingerauscht,
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Da hat ihr junges Haupt den Wittwenschleier
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Nur zu schnell für den Brautkranz eingetauscht!
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Die blühnden Kinder wiegt als vaterlose
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Die Trauernde auf ihrem Mutterschoße.

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Im tiefen Schmerze möchte sie vergehen,
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Sich flüchten aus dem öden Weltgewühl,
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Durch Thränenflöre nur zum Himmel sehen
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Zum Gatten auf im sehnenden Gefühl –
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Doch ihre Kinder mahnen sie ans Leben,
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Sie muß als Mutter, Vater für sie streben.

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So sei das heil'ge Erbe angetreten!
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Sie weiht sich ganz des Lebens ernster Pflicht,
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Recht Handeln gilt ihr mehr als weinend Beten,
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Und mehr als Dulden, Streben nach dem Licht;
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Die Mutterpflicht gibt ihr den Mut, die Stärke,
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Ihr Teil zu fordern an dem Fortschrittswerke.

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Dem Fortschrittswerke, das der Mönch begonnen,
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Der kühne Luther, durch den Kampf mit Rom.
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Auch ihr war ja die Bibel längst der Bronnen,
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Aus dem sie schöpfte der Begeistrung Strom,
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Die Kraft auf seine Seite sich zu stellen,
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Mit solchem Licht die Menschheit zu erhellen.

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Um ihrer Kinder, um der Menschheit willen
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Tritt Argula aus ihrem Fraungemach
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Hinaus ins Leben, so den Drang zu stillen
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Der auch in ihr von Licht und Freiheit sprach;
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Vor Luther selbst weiht sie sich seiner Sache
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Und hält für ihn, für Glaubensfreiheit Wache.

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Sie sucht die Welt, nicht nur ein Stück vom Himm
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Ihr Horizont ist unbegrenzt und weit.
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Sie dient dem Ew'gen in der Welt Getümmel,
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Sie dient mit freiem Geiste ihrer Zeit.
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Sie fürchtet nicht, daß was im Innern blühe
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In Sonn' und Sturm und frischer Luft verglühe.

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Sie sucht nicht im Gebet in Klostermauern
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Des Gottes gnadenreiche Gegenwart;
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Ihr hat er sich in gleichen Ahnungsschauern
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Im Tempel der Natur geoffenbart;
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So dient sie ihm bis auf des Todes Winken
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Die treuen Hände segnend niedersinken.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Louise Otto
(18191895)

* 26.03.1819 in Meißen, † 13.03.1895 in Leipzig

weiblich, geb. Otto

sozialkritische Schriftstellerin, Demokratin und eine Mitbegründerin der bürgerlichen deutschen Frauenbewegung

(Aus: Wikidata.org)

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