Es lag ein dumpfer Fluch ob allen Landen

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Louise Otto: Es lag ein dumpfer Fluch ob allen Landen Titel entspricht 1. Vers(1857)

1
Es lag ein dumpfer Fluch ob allen Landen,
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Ein dumpfer Fluch auf jeder Menschenbrust;
3
Die Völker schmachteten in schweren Banden,
4
Wie Hohn klang jedes Wort von Glück und Lust,
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Wie Hohn klang, was die Dichterseher sangen
6
Von neuer Zeiten goldnem Morgenrot –
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Die Freiheitssonne war ja untergangen
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Und alles ringsum nächtlich still und todt.

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Da hab' ich traurig oft zu Nacht gesessen
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Im wilden Schmerz, der mich nicht schlafen ließ,
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Und konnte nicht die Welt um mich vergessen,
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Das Leben nicht, das doch nur Elend wies –
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Doch immer hörte ich im Geist die Kunde:
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Warum im Dunkeln zweifeln an dem Licht?
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Geschrieben steht: »

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Und stark im Glauben und im innern Schauen
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Warf ich mich wieder in das Weltgewühl,
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Sang stolze Freiheitslieder im Vertrauen:
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Bald wird zur Wahrheit, was jetzt nur Gefühl.
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Und klagend ob der Zeiten schwer Verschulden
21
An aller Völker Ehre, Seel' und Leib,
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Rief ich im Zorn ob schmählichem Erdulden:
23
»

24
Erfüllt ward was die Bibelworte sagen:
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»will Gott ein Volk befrein,« spricht der Prophet,
26
»wird er mit Blindheit seinen König schlagen« –
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Da sehn wir wie die Freiheit aufersteht.
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Der Julikönig stürzt vom Herrschersitze,
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Die Marsellaise wird sein Abschied'gruß,
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Sein Purpurmantel schmückt als Freiheitsmütze
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Das Mal des Sklavenführers Spartakus.

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So ist in Frankreich Tag und Stunde kommen,
33
Die Weltgeschichte hält ihr Weltgericht;
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Ein glorreich Volk hat sich sein Recht genommen,
35
Ein Volk, das nicht allein mit Worten spricht,
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Vor dessen Thaten alle Throne beben –
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Und alle Völker wagen diesen Ruf:
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Wir wollen frei, ein Volk von Brüdern leben,
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Tot ist die Zeit, die feige Sklaven schuf!

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Und jubelvoll ringsum im deutschen Lande
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Hallt es von Gleichheit und von Menschenrecht;
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Die Herzen lodern auf im Freiheitsbrande;
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Zum deutschen Bürger wird der deutsche Knecht;
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Das Volk will nicht nach Blut und Aufruhr dürsten
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Doch will es
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Vor dem es selbst sich beugt sammt seinen Fürsten,
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Was ihm gebührt – das will es allzumal!

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Freiheit und Gleichheit in den deutschen Staaten
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Und jedes Recht, das man uns vorenthielt,
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Um das wir lang' als schwache Kinder baten,
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Das man versprach und nimmer doch erfüllt:
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Das muß uns heut, das muß uns allen werden!
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Es kommt die neue Zeit mit ehrnem Gang,
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Mit großem Aug' und mutigen Gebärden
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Und einem heiligen Triumphgesang.

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Arbeit und Brot! Ihr werdet's nicht vergessen –
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Das ist die Losung dieser neuen Zeit!
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Gebt dem sein Recht, der keines noch besessen!
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Denkt an der Armut, an des Hungers Leid;
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Pflegt wohl der Menschenliebe goldne Saaten
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Und pflückt der Freiheitsbäume reife Frucht;
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Ist dann des Landmanns Ernte auch mißraten:
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Vom Hungertod wird niemand heimgesucht!

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O hohe Zeit! rings flicht man Bürgerkronen
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Und feiert schon der Freiheit Ostertag,
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Und jauchzt im »Männerstolz vor Königsthronen,«
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Weckt auf das Volk, das nicht mehr schlafen mag.
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O schöne Zeit! könnt' ich mit Euch erheben
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Dies deutsche Land, daß frei es sei und bleib'!
70
Ich bet' um Segen nur für Euer Streben, –
71
»denn ich bin nichts als ein gefesselt Weib!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Louise Otto
(18191895)

* 26.03.1819 in Meißen, † 13.03.1895 in Leipzig

weiblich, geb. Otto

sozialkritische Schriftstellerin, Demokratin und eine Mitbegründerin der bürgerlichen deutschen Frauenbewegung

(Aus: Wikidata.org)

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