Dem Siegesfeuer gleich auf Bergesspitzen

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Louise Otto: Dem Siegesfeuer gleich auf Bergesspitzen Titel entspricht 1. Vers(1857)

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Dem Siegesfeuer gleich auf Bergesspitzen,
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Das aufwärts flammt bis in des Himmels Blau,
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So sieht man heut aus höchster Höhe blitzen
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Der Sonne Aug', der königlichen Frau,
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So steht sie da auf ihrem höchsten Throne
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Und sendet allen Landen ihren Gruß.
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Ihr gold'nes Scepter neigt sie rings zum Lohne
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Und selbst ihr Lächeln ist ein Flammenkuß.

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Wohl mag sie sich an ihrem Werke freuen,
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Denn lauter Segen war auf ihrer Bahn,
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Ihr Herrschen war ein gütig Gabenstreuen
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Und alles Heil ließ sie ihr Land empfahn.
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Doch ist es nun mit ihrer Macht zu Ende?
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Sie muß! es ist ein ewiges Gebot –
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Ihr Antlitz drückt sie in die Wolkenhände
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Und weint im Tau, und glüht im Abendrot.

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Sie flieht zurück – noch spendet sie uns Segen,
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Fortwirkend zeugt das Gute Gutes nur,
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Noch eine Weile bleibt ein fröhlich Regen,
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Noch eine Weile grünt und blüht die Flur,
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Noch eine Weile – dann ist's doch zu Ende,
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Dann ist ein Sonnengruß ein Augenblick',
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Dann fällt die Erde in des Eises Hände,
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Und schläft und träumt nur von dem einst'gen Glück

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Schon jetzt! Die Vögel haben ausgesungen
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Und sitzen stumm bei ihrer jungen Brut;
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Das Lied der Nachtigall ist längst verklungen,
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Die Grille nur zirpt in des Mittags Glut,
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Verstummt ist in der Saat der Wachtel Schlagen,
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Bald, ahnt sie, rauscht die Sense zu ihr her;
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Es will kein Baum mehr heitre Blüten tragen,
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Er neigt sich ernst herab von Früchten schwer.

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Ach, einen längsten Tag hat auch das Leben –
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Ein jegliches für jedes Menschenherz,
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Auch seine Sonne wird sich einst erheben
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Zur Scheitelhöh' und zieht dann heimatwärts.
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Noch kann ich mutig mit der Lerche singen,
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Noch lebt ein Liederlenz in meiner Brust,
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Noch kann ich Blüten mir zum Kranze schlingen,
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Noch bin ich meiner Lenzkraft mir bewußt.

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Und kommt der längste Tag des Herzens Schlagen
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Und ist dahin der Jugend heitre Spur:
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Noch eine Weile bleibt ein fröhlich Tagen,
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Noch eine Weile grünt und blüht die Flur.
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Noch eine Weile, dann ist's doch zu Ende,
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Dann ist ein Sonnengruß ein Augenblick,
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Das Menschenherz sinkt in des Eises Hände
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Und schläft – und träumt kaum von dem einst'gen Glück.

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Nein! nimmer mag ich diesen Tag erleben,
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Nur keinen Winter für das Menschenherz,
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Statt Blüten will ich wohl Euch Früchte geben,
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Statt Lerchenlust und Nachtigallenschmerz
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Ein ernstes Wirken in dem Dienst der Zeiten,
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Das reif geworden in des Sommers Glut –
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Mit Thaten will ich statt mit Liedern streiten,
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Doch nie gefriere der Begeistrung Flut.

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O möchte dann mein Los dem Weinstock gleichen:
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Er weinet wonnereich am Frühlingstag,
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Dann läßt er blühend süße Düfte steigen,
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Hängt seine Kränze auf an Säul' und Hag,
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Da werden Perlen seine Frühlingszähren
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Und seine Blüten Purpurglanz und Gold,
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Das glänzt und schwillt Begeistrung zu gewähren,
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Wenn in den Kelch das Blut der Traube rollt.

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Den Weinstock aber ohne Frucht und Ranken
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Begräbt man in der Erde Mutterschoß,
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Nicht in den kalten Stürmen soll er schwanken,
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Soll schlafen, träumen winterahnungslos,
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Laß mich, o Gott, ein gleiches Los erringen,
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Laß aus den Thränen mir von Lust und Leid,
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Aus meinen Kränzen, meinen Liedersingen
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Begeistrung strömen in die künft'ge Zeit!

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So laß mich meinem Volk zum Segen leben,
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So zeige einst mir eine große That –
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Wo nicht, so laß mich noch ein Lied erheben,
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Das fördern soll auch eine künft'ge Saat.
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Laß mich, o Gott, des Weinstock's Los erwerben,
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Der mit Begeist'rung alles Volk erfüllt –
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Doch in derselben Stunde laß mich sterben,
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Von milder Erde, nicht von Schnee verhüllt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Louise Otto
(18191895)

* 26.03.1819 in Meißen, † 13.03.1895 in Leipzig

weiblich, geb. Otto

sozialkritische Schriftstellerin, Demokratin und eine Mitbegründerin der bürgerlichen deutschen Frauenbewegung

(Aus: Wikidata.org)

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