Wohlauf

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Louise Otto: Wohlauf (1857)

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Der Herwegh rief's – wir haben's wohl vernommen
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Wir stimmten an »das Lied der deutschen Flotte;« –
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Doch sagt: durch welches Meer ist sie geschwommen,
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Das Wirkliches nicht unsrer Lieder spotte?
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In welchen Hafen darf sie ankernd liegen,
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Nach welchen Küsten darf sie siegreich fliegen?
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Ach, sucht sie nicht auf der Atlantis Räumen!
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Sie treibt im Meer von unsern Zukunftsträumen.

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Und doch! wir lassen diese Träumen immer!
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Bedenkt es wohl,
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Wir träumen, wohl, beim ersten Frührotschimmer,
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Der uns verheißt des Tages Sonnenschein.
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Ob Deutschland liegt jetzt erst des Morgens Grauen
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Die Lerchen steigen und die Nebel tauen –
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Die Halme glänzen, perlenüberhangen –:
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Auch Deutschland wird noch seinen Glanz erlangen

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Und was in ihrem Traum die Dichter singen,
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Was unsrer Redner lautes Wort begehrt.
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Das mag wohl zu des Volkes Herzen dringen,
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Doch wird es von den Fürsten auch gehört? –
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Doch still, doch still – verjagt des Zweifels Wolke,
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Die Macht »von Gottes Gnaden« ruht im
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Im deutschen Volk, das auf sie fröhlich bauet,
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Das seinen Fürsten, doch auch

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Noch einmal fordert Deutschland gutes Recht.
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Noch einmal singt der deutschen Flagge Lieder,
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Vor allem Volk, vor allen Fürsten sprecht,
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Vom Meer von Adria bis auf zum Sunde,
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Dasselbe fordert All' mit einem Munde;
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Legt Hand an's Werk, baut nicht an alten Trümmern:
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Die deutsche Axt soll

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Kein Kirchenschiff in einem alten Dome,
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Das zu des Mittelalters Dunkel ladet;
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Ein kühnes Schiff, das nicht im engen Strome,
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Das seine Brust im weiten Meere badet;
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Das durch die Wogen seinen Weg sich bahne,
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Sich spiegle stolz im stolzen Oceane,
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Wo freie Lüfte mit der Flagge kosen
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Und Trost verkünden wenn die Tiefen tosen.

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Wohlauf, Ihr Weber, trauernde Gestalten,
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Kein Webstuhl soll bei Euch mehr stille stehn,
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Die Sorgen fort und laßt die Hoffnung walten,
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Ermutigt mögt Ihr an die Arbeit gehn!
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Frisch an das Werk! bald flattert Euer Linnen
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Als stolzes Segel durch das Meer von hinnen –
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Weiß flattert's wie die Taube Noahs aus,
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Und bringt Euch segnend Hoffnungsgrün nach Haus.

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Wohlauf! Wohlauf, Ihr deutschen Schwestern alle,
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Die Ihr noch spinnt wie Eurer Mütter Brauch;
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Ein neues Lied zu Eurer Spindel schalle,
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Das Rädchen summt, so summt das Liedlein auch
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Singt nicht vom Jungfernkranz, vom schmucken Freier,
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Was wollt Ihr ewig mit der alten Leier?
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Singt: Unser Volk wird Großes noch beginnen,
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Und Segel brauchts, die gilt's ihm jetzt zu spinnen.

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Und mit den Segeln soll die Flagge wehen –
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Auch sie, auch sie ein Werk von Frauenhand!
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Habt Ihr's nicht an des Bruders Brust gesehen,
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Das schimmernde, das schwarz-rot-goldne Band?
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In solchen Farben soll die Flagge nicken,
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Dem Burschen nicht, wir woll'n dem Meer sie sticken,
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Die Farben bringt es wiederum zu Ehren
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Und keinem deutschen Schiff wird man sie wehren!

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Schwarz, roth und gold! ein einig deutsches Zeichen
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Auf allen Meeren so die Sonne schaut!
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Eröffnet bald den neuen Hochzeitsreigen,
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Wo
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Es buhlt schon lange um das stillverzagte,
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Das all sein Leid nur seinen Sternen klagte – –
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Auf Deutschland! daß Dein Schmerz in Lust sich kehre
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So schließ ein stolzes Bündniß mit dem Meere.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Louise Otto
(18191895)

* 26.03.1819 in Meißen, † 13.03.1895 in Leipzig

weiblich, geb. Otto

sozialkritische Schriftstellerin, Demokratin und eine Mitbegründerin der bürgerlichen deutschen Frauenbewegung

(Aus: Wikidata.org)

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