Und fühlt Ihr endlich nun des Joches Drücken

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Louise Otto: Und fühlt Ihr endlich nun des Joches Drücken Titel entspricht 1. Vers(1857)

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Und fühlt Ihr endlich nun des Joches Drücken
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Und wollt Ihr rächen nun die lange Schmach?
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Seid Ihr es müde, daß auf Deutschlands Rücken
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Des Römers Fuß noch immer treten mag?
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Daß immer noch das alte Stück soll spielen,
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Das alte Stück aus Deutschlands Kaiserzeit,
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Wo, wenn mit Frevelsflüchen Rom gedräut
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Die Mächtgen selber ihm zu Füßen fielen?

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Und ahnt Ihr endlich, daß die Nacht muß weichen,
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In der noch finstrer Zauberwahn regiert
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Und manchen Wanderer ein trügend Zeichen
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Als Irrlicht in die tiefsten Sümpfe führt?
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Noch einmal zuckte jene Riesenschlange,
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Die zweite Hyder, welche Rom gebar,
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Ihr Haupt empor und rief der Christen Schar
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Zum Götzendienst mit schnödem Glaubenszwange.

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Sie meinte jubelnd schon zu triumphieren
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Und überall wuchs ihr ein neues Haupt,
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Da mochte wohl die Frage uns gebühren:
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Wer hat dies neue Gaukelspiel erlaubt? –
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Und mag es noch so glänzend sich gebärden,
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Nicht fürder wachsen soll die Lügensaat,
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Schon ist sie reif und eine Ernte naht,
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Wo all ihr Gift uns soll zum Heilkraut werden.

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Deutschland kann trotzen
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Und lieber
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Kein fremder Zwang soll seinen Glauben knechten,
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Ja, seinen Glauben muß es sich befrei'n.
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Umsonst schlug Hermann Romas Legionen,
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Umsonst wird ihm ein ehern Mal geweiht,
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Wenn Rom noch herrscht in später Enkel Zeit,
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Deutschland sich beugt wo einst gesiegt Teutonen.

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An uns're Zeit ergeht ein heilig Mahnen,
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Ein heilig Mahnen an das Vaterland,
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An Deutschlands Volk: sei
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Sei
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Wir stehen fragend an der Zukunft Pforten,
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Wir suchen Rat bei der Vergangenheit,
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Noch ist ein Traum ja Deutschlands Einigkeit –:
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Wir werden

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Ja nur erst
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Wohl auch im Sinn, doch nicht in Sitt und Brauch,
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In unsre Heimat streut man fremde Samen,
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Durch unsre Thäler weht ein fremder Hauch.
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Die fremde Saat tilgt von der fremden Erde,
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Das fremde Reich brecht ab vom deutschen Baum
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Gebt seinem Wachstum Luft und freien Raum –

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Du wirst Dich jetzt, mein Vaterland, erheben,
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Für Deinen
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Du willst nicht mehr im römschen Joche leben,
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Frei forderst Du den
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Heil ihm, der jüngst zuerst das Wort gesprochen,
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Das in dem Vaterland ein Losungswort!
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Ja, »deutschkatholisch« schallt es hier und dort
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Und Rom erschrickt – der Zauber ist gebrochen.

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Wir wollen lieben, segnen und vergeben,
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Wir wollen Christentum in seiner Reinheit
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Und eine neue Kirche wird sich heben,
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Vielleicht ein würdig Sinnbild deutscher Einheit.
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Wir wollen nicht in blindem Haß entflammen,
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Deutschland wird frei, allein und groß bestehn,
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Mag wer da will gen Rom noch gläubig sehn –
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Es stürzt ja in sich selber doch zusammen.

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Nicht fürder soll es uns Gesetze schreiben,
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Der Deutsche darf die lange Schande rächen,
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Das
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Denn mündig ist er, selbst sich Recht zu sprechen!
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Nur deutsches Flehn, nur deutsches Urteil sprecht
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Vorm Altar, vor der Armensünderbank –
70
Die Güter heischt der neuen Zeiten Drang:

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Louise Otto
(18191895)

* 26.03.1819 in Meißen, † 13.03.1895 in Leipzig

weiblich, geb. Otto

sozialkritische Schriftstellerin, Demokratin und eine Mitbegründerin der bürgerlichen deutschen Frauenbewegung

(Aus: Wikidata.org)

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