Und den Ruf hab ich vernommen aus dem kühnen Dichtermunde

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Louise Otto: Und den Ruf hab ich vernommen aus dem kühnen Dichtermunde Titel entspricht 1. Vers(1857)

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Und den Ruf hab ich vernommen aus dem kühnen Dichtermunde
2
Und ich nahm das Wort zu Herzen, nahm es für Prophetenkunde,
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Fröhlich will das Schwert ich tragen, fröhlich für mein Volk es schwingen,
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Jubelnd deutsche Schlachtenlieder, unserm Feind entgegen singen.

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Nicht die Kraft ein Schwert von Eisen in der schwachen Hand zu zücken,
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Nicht der Mut aus tiefen Wunden blutge Blumen uns zu pflücken.
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Nicht die Kunst den Blitz zu lenken aus dem mörd'rischen Geschoß –
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Solches ward uns nicht gegeben, solches nicht der Frauen Los.

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Aber wenn Ihr zieht zum Streite für des Vaterlandes Rechte,
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Sticken wir die Freiheitsfahne, die Euch leitet im Gefechte,
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Schlingen wir um Eure Schultern, schöngewebte Kriegerbinden
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Sind es wir die Eure Wunden pflegen, Eure Lorbeern winden.

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Doch so lang Ihr Euch nicht rüstet, eine Freiheitsschlacht zu schlagen,
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Für die höchsten Menschenrechte eine kühnen Strauß zu wagen,
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Doch so lang noch Eure Waffen in der engen Scheide bleiben,
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Werden wir es denn vermögen Euch hinaus ins Feld zu treiben?

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Alle Mädchen müssen schwören keinen, keinen Mann zu minnen
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Der nicht für die Freiheit stritte seinem Volk sie zu gewinnen.
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Wie Frau Gertrud einst gesprochen, müßten alle Frauen sprechen,
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Als sie Stauffacher den Gatten, hieß der Schweizer Knechtschaft brechen.

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Also, also müßt es werden, könnt ich meiner Schwestern Herzen
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So begeistern wie ich selber, fühle meines Volkes Schmerzen.
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Könnte ich die kalten Herzen, die nur kleine Qual und Freuden
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Füllen und in Schlummer singen, könnt ich sie zum Großen leiten.

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Was vermag ein deutsches Mädchen, still und arm in enger Zelle,
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Aber frei gleich wie vom Berge niederschäumt die freie Quelle –
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Aber singend wie das Vöglein, das sich wiegt in blauen Lüften,
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Aber feurig wie der Blitzstrahl, kommt aus dunklen Wolkenklüften:

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Was vermag ein solches Mädchen, dies zu schaffen will ich streben
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Für die Freiheit für den Fortschritt weihe ich mein ganzes Leben.
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Denn mein Herz kennt nur ein Sehnen, nur ein stetig Vorwärtsringen
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Und dem Vaterland gehört es und der Freiheit will ich singen.

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Singen, denn im Kampf mit Liedern, denn im Kampf mit kühnen Reden,
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Darf auch ich, die Fahne tragend, zu den Gleichgesinnten treten,
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Darf mit heil'gem Eide schwören, nimmer mich von ihr zu trennen,
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Darf der kriegerischen Muse treu ergebne Magd mich nennen.

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Und auf meine Kniee sink' ich – über mir die Fahne wehet:
38
Schwör ich brünstig im Gebete – will ich nicht vom Banner weichen,
39
Bis die Frauen gleich den Männern ihrer Heimat wert sich zeigen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Louise Otto
(18191895)

* 26.03.1819 in Meißen, † 13.03.1895 in Leipzig

weiblich, geb. Otto

sozialkritische Schriftstellerin, Demokratin und eine Mitbegründerin der bürgerlichen deutschen Frauenbewegung

(Aus: Wikidata.org)

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