Auf grünen Wiesen sah ich Lämmer weiden –

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Louise Otto: Auf grünen Wiesen sah ich Lämmer weiden – Titel entspricht 1. Vers(1857)

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Auf grünen Wiesen sah ich Lämmer weiden –
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Ihr Glöckleinklang als einziges Getön
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War zu vernehmen im Vorüberschreiten –
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Sonst Alles still – so friedlich und so schön.

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Bei einer Linde weilte traut beisammen
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Ein jugendfrohes, hochbeglücktes Paar.
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Er ließ sein Auge in das ihre flammen,
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Sie bot ihm schüchtern ihre Wange dar.

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Dicht gegenüber wo aus grünen Bäumen
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Gar traulich winkt ein strohgedecktes Dach,
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Da mochten sie den eignen Heerd sich träumen,
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Wo sich ihr Wunsch der Zukunft Glück versprach.

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Des Dorfes Kinder spielten muntre Spiele
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Als Pferde spannten sie dem Pflug sich vor,
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Ein Knabe lenkte zum bestimmten Ziele
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Mit Peitschenknall den muntern Brüderchor. –

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Das war vor Zeiten – als ich wiederkommen
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Zu diesem stillen, waldumkränzten Thal –
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Hei! wie da aller Friede ist genommen,
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Hei! wie das Alles anders auf einmal!

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Die neue Macht, die sich die Welt erküret
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Sie hat auch hier jed alten Brauch verdrängt:
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Seht wie ein Pfad jetzt durch die Berge führet
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Ein Wagen an dem andern rollend hängt.

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Statt Herdenglöcklein läutende Signale –
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Es rauscht und zischt und saust mit Ungestüm
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Und rüttelt alle Träumer auf im Thale
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Das mächtge feuerspeiende Ungetüm. –

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Wird lang das Paar noch bei der Linde bleiben?
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Die Maid steht bleich vor naher Trennungsqual –
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»mich will's hinaus ins rasche Leben treiben!«
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Ruft er, »leb wohl! schon pfiffs zum drittenmal!«

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Sie schaut ihm nach mit sehnsuchtsvollen Blicken,
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Wohl ahnt sie draußen die bewegte Welt! –
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Wird nicht ihr Glanz des Liebsten Herz umstricken?
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Ist dies kein Riff an dem ihr Glück zerschellt?«

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Wo sind die Knaben, die sich hier erfreuten?
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Das alte Pflugspiel ist zu schlecht und kle n
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Ein bessres Loos denkt Jeder zu erbeuten
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Als das nur ein gepeitschtes Pferd zu sein. –

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Dahin, dahin der einsam stille Frieden,
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Dahin, dahin ein jed idyllisch Glück!
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Denn alle Ruh ist aus der Welt geschieden –
44
O

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Ja, Frieden stirb! – Du stiller Kirchhoffrieden,
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Du hast fürwahr zu lange schon gewährt,
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Ein ander Glück giebt's noch für uns hinieden,
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Ein andrer Glanz hat unsre Zeit verklärt!

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Seht dort den Greis in dünnen Silberhaaren,
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Indeß die Wagen fliegen hört sein Flehn:
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»nun, Herr, laß Deinen Knecht in Frieden fahren!
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Nun er die Wunder dieses Tags gesehn!«

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Er ahnt es wohl, doch wußt er's nicht zu sagen
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Als ihn Bewunderung auf's Knie gesenkt:
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Es weht ein neuer Geist um diese Wagen,
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Aus diesem Dampf der Eisenrosse lenkt.

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Rings lärmt er auf zum rüstigen Bewegen
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Und dieses Läuten ruft: Habt acht! habt acht!
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Mit jeder Schiene, die sie weiter legen
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Wird neues Leben in die Welt gebracht.

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Und eh sie noch die Gotteskraft verstehen
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Sind sich die Völker jubelnd nah gebracht
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Und lassen ihre Freiheitsbanner wehen,
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Und durch die Lüfte saust's:

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Louise Otto
(18191895)

* 26.03.1819 in Meißen, † 13.03.1895 in Leipzig

weiblich, geb. Otto

sozialkritische Schriftstellerin, Demokratin und eine Mitbegründerin der bürgerlichen deutschen Frauenbewegung

(Aus: Wikidata.org)

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