Als ich klecksographiert im Mondenschein

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Justinus Kerner: Als ich klecksographiert im Mondenschein Titel entspricht 1. Vers(1824)

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Als ich klecksographiert im Mondenschein,
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Kam dies Gespenst herauf als wie von Stein,
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Doch hat's geöffnet seinen Mund. Mit Klagen
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Hat's reuig seine Schuld mir vorgetragen.
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Gottes Erbarmen ende seine Pein!
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Doch zu entschlagen mich weitläuf'gen Fragen,
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Hab' seine
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In Wahrheit ich in Verse hier gebracht,
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Die lest euch vor in stiller Mondennacht.

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Sooft der Mond im vollen Licht
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Um Mitternacht durch Wolken bricht,
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So ruft ein Greis im Irrenhaus
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Durchs Fenstergitter hohl heraus:
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»im Rhein, im Rhein, im tiefen Rhein,
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Da lag ein schwarzer, blut'ger Stein.
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O wenn im Rhein der Stein noch wär',
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Oder im tiefen schwarzen Meer!
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Er drücket Kopf und Herz mir ein,
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O Stein! Stein! wandle mich zu Stein!«
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Fragt man: »Was ist's mit diesem Stein?«
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Heißt er den Frager stille sein.
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So rief er jahrelang, nie müd;
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Doch als er einst blieb unbewacht,
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Er sich den bleichen Hals durchschnitt
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In einer hellen Mondennacht.
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Bei Bingen in dem tiefen Rhein
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Hört man seitdem im Mondenschein
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Dieselbe Stimme in der Luft.
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In Tönen der Verzweiflung ruft
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Die Stimme: »Stein! o wärst du noch
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Tief, tief im schwarzen Binger Loch!
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Verruchter Stein! Mit dir, mit dir
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Schlug ich einst tot den Kaufherrn hier!
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Dich drauf an seinen Hals ich hing
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Und warf ihn in des Strudels Ring,
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Daß er im blut'gen Gischt verschwand.
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Drauf wollt' ich rennen ins fernste Land,
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Da stob aus dem Strudel ein Wirbelwind,
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Der hob mich über den Strudel geschwind,
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Drehend mich ob ihm in Wirbeln, ach!
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Schrecklicher noch! Aus der nassen Gruft
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Wirbelt des Toten Gespenst mir nach,
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Hielt in der blut'gen Hand den Stein,
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Drückt, mit mir wirbelnd in der Luft,
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Ihn mir ins zitternde Herz hinein.
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Wie war mir der Stein im Leben so schwer,
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Wie ist er's mir im Tode noch mehr,
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Ihr alle, die ihr noch wachet am Rhein,
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Bittet zu Gott um die Seele mein!«

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Und wenn es so bei Bingen ruft,
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Sieht man vom Rufer keine Spur,
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Schifft nur der Mond still durch die Luft
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Und kreist ein schwarzer Vogel nur
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Um des Erschlagnen nasse Gruft.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Justinus Kerner
(17861862)

* 18.09.1786 in Ludwigsburg, † 21.02.1862 in Weinsberg

männlich, geb. Kerner

deutscher Dichter, Arzt und medizinischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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