Der Garten zu Schwaigern

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Justinus Kerner: Der Garten zu Schwaigern (1824)

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Zu Schwaigern steht ein schöner Garten,
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Ich schau' ihn stets mit Freuden nur,
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Mit Lust bemüht ist ihn zu warten
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Ein edler Liebling der Natur.

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Der Rosenflor, den er gezogen,
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Der Georginen bunte Zahl
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Gleicht einem farb'gen Regenbogen,
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Der von dem Himmel sank zu Tal.

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Platanen auch und Pinien heben
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Ihr grünend Haupt zum Himmel fromm,
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Ein Zeuge von vergangnem Leben
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Schaut ernst durch sie der alte Dom.

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Ein Schloß, von Efeu grün umfangen,
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Begrenzet diese bunte Flur,
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Üppig in warmen Beeten prangen
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Die Kinder südlicher Natur.

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Hier hängen der Hortensia Dolden
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Herab in schwerer Blüten Wucht,
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Dort glänzt aus dunklem Laube golden
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Italiens Orangenfrucht.

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Noch dunkler Laub! noch schönre Blüten,
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Wie sie nur Edens Garten sah!
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Feurig, wie kaum je Rosen glühten,
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Erglüht hier die Kamelia.

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Des Mittlers Leidenspflanze säumet
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Mit heil'ger Blüt' des Hauses Wand,
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Dran eine Palme lehnt und träumet
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Von ihrer Heimat fernem Land.

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Pfleger des Gartens! laß mich weilen
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Bei ihr! mitträumen ihren Traum,
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Glut jenes Himmels mit ihr teilen,
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An Euphrats Strand ein heil'ger Baum.

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Da sieht sie hoch den Ibis fliegen
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Von heil'gen Stätten hergeweht,
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Zephire ihre Blätter wiegen,
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Die säuseln wie ein still Gebet.

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Ein Singen rings um sie und Düften
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Von bunten Vögeln, Blüten viel,
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Und vor ihr in azurnen Lüften
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Der Fee Morgana Zauberspiel.

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So träumt die Palme, kennt die Ferne
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Nicht, die sie von der Heimat trennt,
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Weil sie nicht Nordens kalte Sterne
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Bei dieser milden Pflege kennt.

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Oft ist's auch mir schon vorgekommen,
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Als sei aus einem wärmern Land
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Ich auf die kalte Flur gekommen,
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Dir, Südens Palme, so verwandt.

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Es dringt das Eis von Deutschlands Fluren
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Gar schmerzlich in das Herze mir,
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Dann treibt's zu sonnigern Naturen
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Mich oft in Träumen weit von hier.

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Doch wie hier wärmrer Zonen Kinder
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Treu deine Hand, du Edler, pflegt,
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So hast du schützend mich nicht minder
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Auch an dein warmes Herz gelegt.

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Seitdem fällt mir, die ich verloren,
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Die wärmre Heimat seltner ein,
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Und heut am Tag, der dich geboren,
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Fühl' ich kein Eis – nur Sonnenschein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Justinus Kerner
(17861862)

* 18.09.1786 in Ludwigsburg, † 21.02.1862 in Weinsberg

männlich, geb. Kerner

deutscher Dichter, Arzt und medizinischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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