Des rheinländischen Hausfreundes Danksagung an Herrn Pfarrer Jäck in Triberg

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Johann Peter Hebel: Des rheinländischen Hausfreundes Danksagung an Herrn Pfarrer Jäck in Triberg (1793)

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»zeig wie, Her Peter! Wenn der's Gläsli schmeckt,
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voll Chirsiwasser, und der Chueche dri,
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und 's Lied vo Triberg vom Her Pfarer Jäck,
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weisch nit, was schön isch? Git men eim nit d'Hand,
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zieht's Chäppli ab und seit: Vergelt's ich Gott!
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Du nit? Und trinksch, as wenn di eigne Baum
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die Chirsi treit hätt? Und de hesch doch kein.«
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's isch wohr, Her Jäck, i ha kei eigne Baum,
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i ha kei Hus, i ha kei Schof im Stall,
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kei Pflueg im Feld, kei Immestand im Hof,
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kei Chatz, kei Hüenli, mengmol au kei Geld.
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's macht nüt. 's isch doch im ganze Dorf kei Buur
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so rich as ich. Der wüßet, wie me's macht.
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Me meint, me heig's. So meini au, i heig's
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im süeße Wahn, und wo ne Bäumli blüeiht,
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's isch mi, und wo ne Feld voll Ähri schwankt,
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's isch au mi; wo ne Säuli Eichle frißt,
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es frißt sie us mim Wald.
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So bini rich. Doch richer bini no
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im Heuet, in der Ernt, im frohe Herbst.
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I sag: »Jez chömmet Lüt, wer will und mag,
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und heuet, schnidet, hauet Trübli ab!
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I ha mi Freud an allem gha, mi Herz
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an alle Düften, aller Schöni g'labt.
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Was übrig isch, isch euer. Traget's heim.«
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Her Jäck, mir isch, der schüttlet eue Chopf,
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und saget für ich selber: »Guete Fründ,
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so lebt men im Schlaraffeland.« He jo,
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so lebi im Schlaraffland, 's isch wohr.
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Treit nit meng Immli süeße Hunig heim
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um Triberg? Hangt nit menge Chirsibaum
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voll schwarze Chinder? Mir do niede fliegt
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der Chuechen und der Chirsiwasserchrueg
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und drei für ein zum Fenster i. »Do trink!«
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Und lueg, do fliegt e Blatt, 's isch schwarz uf wiiß.
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Her Jäck, viel Süeßi wohnt im Bluemechelch,
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viel Gwürz im brune Chirsichern, 's isch wohr.
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Doch was im frumme Menscheherz ersprießt,
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und ufgoht, und in schöne Liedere blüeiht,
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wie euer Lied, goht übers Zuckerbrot
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und Zimmetgeist. Das treit ke Immli heim.
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Das distellirt der Summer an keim Baum.
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Drum dank ich Gott für alles Liebs und Guets.
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Drum dank ich Gott für eue dreifach Gschenk,
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und gebich Sunneschin und frohi Zit.
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Der sehnt, i dank mit Chapezinerdank,
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mit Segen und Papier.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Peter Hebel
(17601826)

* 10.05.1760 in Geburtshaus Johann Peter Hebel, † 22.09.1826 in Schwetzingen

männlich, geb. Hebel

deutscher Dichter, evangelischer Theologe und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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