Auf die Insel bei Odelshofen

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Johann Peter Hebel: Auf die Insel bei Odelshofen (1793)

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Zeig, Jumpfere us em Oberland,
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mit diner Harpfen in der Hand,
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flicht di Zirinkechranz ins Hoor,
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leg 's Halstuech a us Silberflor,
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chumm, sing e Liedli so und so!
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De chasch nit viel. Mer wisse's scho.
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Findsch echt der Weg ins Unterland?
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Der Schwarzwald blibt uf rechter Hand,
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mit sine Firste hoch und lang,
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und 's Wasser links, 's goht au di Gang,
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und obe Himmel rein und blau,
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und unte frische Morgetau.
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Doch wenn de n'über d'Chinzig gohsch,
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und z'Offeburg am Scheidweg stohsch,
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's goht links di Weg, und denk mer dra,
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jez goht di d'Bergstroß nüt meh a.
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Lueg um di! Siehsch kei Insle do?
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»o bhüet is Gott, do isch sie jo.«
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Wie isch das Inseli so nett,
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as wenn's en Engel zirklet hätt,
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as wenn's si eige Gärtli wär!
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Wie badet's in sim chleine Meer!
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Wie badet's in sim Bluemeduft,
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und sunnt si in der reine Luft!
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's treit menge Her e Stern am Band,
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het Geld wie Laub, und Lüt und Land;
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er ißt Pastete, Fleisch und Fisch,
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e goldne Bueb stoht hinterm Tisch;
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es fehlt em nüt. Frog, was de witt!
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Doch so ne Plätzli het er nit.
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Und heig er au; was isch derno?
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Ihm singe d'Vögeli doch nit froh,
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ihm blüeihe d'Blüemli nit so blau,
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der Nachtluft weiht em nit so lau.
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's chunnt nit uf Luft und Vögel a,
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me mueß es in em selber ha.
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Ne frohe Sinn, e lustig Bluet,
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in Freud und Leid e guete Muet;
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und wemme binenander sitzt,
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und d'Freud eim us den Auge glitzt,
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sel will en ander Röckli ha,
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im gstickte Gala goht's nit a.
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Bim Bluest, dört chömme Herelüt!
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Sing herzhaft furt, sie tüen der nüt.
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Sag: »Grüeß ich Gott, und mach ich froh
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in euem nette Pärkli do«;
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und wenn sie bi der dure göhn,
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gang usem Weg und neig di schön.
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»se grüeßich Gott und mach ich froh,
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in eurem nette Gärtli do,
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und spar ich gsund Johr i, Johr us,
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o schenket mer e Bluemli drus.
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I flicht mer's in d'Zirinken i,
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es soll mi fürnehmst Blüemli si.
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Frau Sunne, was i z'bitte ha,
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lueg lieb und süeß das Plätzli a,
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und wärm's frei wohl und tränk's mit Lust
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us diner süeße Muetterbrust.
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Mer sin zwor nit elleinig do,
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doch hen die andren au dervo.
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Her Vollmo', und was d'Nacht erhellt,
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wenn d'Sunne schloft im stille Zelt,
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i will ich's au bifohle ha;
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und luegt e Chnab si Schätzli a,
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und wenn's em au ne Schmützli git,
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sind still derzue; verrotet's nit.«
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Jez, Jumpfere mit dim Harpfespiel,
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mach, aß de furt chunnsch! Z'viel isch z'viel,
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und chunnsch mer heim im Obedrot,
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und 's frogt di eis: Woher so spot?
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Se sag's, und rüehm's frei do und dört,
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und halt di redli. Hesch mer's ghört?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Peter Hebel
(17601826)

* 10.05.1760 in Geburtshaus Johann Peter Hebel, † 22.09.1826 in Schwetzingen

männlich, geb. Hebel

deutscher Dichter, evangelischer Theologe und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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