An den Geheimrat von Ittner, Curator der Universität zu Freiburg, bei dessen Gesandtschaftsreise in die Schweiz

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Johann Peter Hebel: An den Geheimrat von Ittner, Curator der Universität zu Freiburg, bei dessen Gesandtschaftsreise in die Schweiz (1793)

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Se bhüetich Gott der Her, und zürnet nüt!
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Me schwezt, wie eim der Schnabel gwachsen isch.
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Gern chönnti's besser, aber 's will nit goh.
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Doch was vom Herze chunnt, isch au nit schlecht.
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Der Chrüterma vo Badewiler het
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mer's mengmal gseit, und gfluecht derzu, es soll
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kei Hypnum meh, kei Carex in der Welt
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vor sini Auge cho (der Teufel weiß,
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sin's Buben oder Meidli), wenn e Ma
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wie Ihr in siebe Here Ländere seig.
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I will's nit repetiere. Besser wär's,
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der Chrüterma hätt's au nit gseit; es isch
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mit so me Fluech nit z'spasse. Het's der Recht
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zum Unglück ghört, se glänzt mim Chrüterma
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kei Sternli meh vom blaue Himmelszelt,
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kei Blüemli meh im grüene Mattegrund.
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Du arme Chetzer, Carex, Hypnum schießt
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dim Aug eggege, wo de stohsch und gohsch.
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I mach kei Gspaß, es isch mer selber so,
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und woni näumen ane lueg, se stoht
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was hent der gmeint? E Hypnum? Nei, se stoht
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libhaftig Euer Bildnuß vor mim Aug,
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so fründlig und so lieb, und stirbi morn,
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und siehnich nümme, bis am jüngste Tag,
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se chummi in mim goldne Sunntigrock,
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(es heißt, mer werden alli neu gstaffiert),
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und sag mim Kamerad, wo mit mer goht:
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»isch sel nit der Her Ittner, wo im Duft
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dört an der Milchstroß goht? Jez buckt er si,
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und bschaut e Blüemli, 's wird Dudaim si.«
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Drum laufi, was i laufe cha, d'Stroß uf;
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der Kamerad blibt zruck, er chunnt nit no.
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Druf sagi: »Mit Verlaub! I mein emol,
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der seiget's. Hani nit vor langer Zit
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bim Kaiserwirt e Schöpli mitich gha?
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Wie hent der gschlofe? Wohl? Der Morgen isch
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so heiter. Wemmer nit e wengeli
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do ane sitze zue dem Amarant?«
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Jez bhüetich Gott, und spar ich frisch und gsund
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uf euer lange Berg- und Schwizerreis.
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's het d'Milchstroß uf, am jüngste Tag, no Zit
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wohl hunderttausig Johr, und isch's denn dört
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viel schöner echt, as an der Limmat Gstad?
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Wie glitzert uffem See der Silberstaub!
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Wie wechsle hundertfältig Färb und Glanz,
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Palästli, Dörfer, Chilchtürn, Bluemegstad
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am Ufer her, und wie ne Nebel stigt
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dört hinte d'Nagelflue mit ihrem Schnee
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zum Himmel uf durs Morgeduft! Es schnuuft
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meng Geißli dört und menge schöne Bock.
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Nu gunnich Gott der liebi Freude viel
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mit eue brave Fründen in der Schwiz,
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und grüeßet mer der Wiese Gschwisterchind,
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d'Frau Limmet, und vergesset 's Heimcho nit;
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's sin herwärts Schwarzwald gar viel bravi Lüt,
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und hennich lieb, und schöni Jümpferli
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(me seit, sie heiße Muse) warten au
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am Dreisamgstad. Es heißt, Ihr seiget jo
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ihr Vogtma z' Friburg, und sie singe schön,
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und rede mittich allerlei; 's verstand's
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ke gmeine Ma, und menge Pfarrer nit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Peter Hebel
(17601826)

* 10.05.1760 in Geburtshaus Johann Peter Hebel, † 22.09.1826 in Schwetzingen

männlich, geb. Hebel

deutscher Dichter, evangelischer Theologe und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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