An Rechnungsrat Gyßer in Müllheim

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Johann Peter Hebel: An Rechnungsrat Gyßer in Müllheim (1793)

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Dunderschieß! Wer rennt mer in mi Gäu?
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Isch's der Gyßer? – 's isch bi miner Treu
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Euer Glück, aß Ihr's sind, Meister Gyßer!
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Rime her! – Potz Fürio, und Miser-
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ere, Domine! 's hätt schier verseit,
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hätt mi nit d'Verzwiflung use treit.
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Jez, was Euer Versli abetrifft,
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uf mi Seecht, i bi voll Chib und Gift,
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aß me Ratte mit mer chönnt verge.
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Drum, i ha gmeint, 's chönn 's sust niemes meh,
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weder ich, mit miner lange Pfife,
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und Ihr wüsset's au so schön z'begrife.
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Lueget, 's Hamberch sott enander schelte,
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doch, wil Ihr's sind, willi 's Recht lo gelte.
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Euer Versli isch so nett und gschlacht,
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aß i schier mein, i heig's selber gmacht.
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Frili, wer's bidenkt, es isch ke Wunder,
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aß er's chönnet, schla' mi au der Dunder.
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Ihr trinket urig Poesie
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in lange Züge z'Müllen an der Post.
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Tausig Sappermost,
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isch sel nit e chospire Wi!
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Aber chömmet, sind er's echt im Stand,
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doher au ne Rung ins Welschchornland,
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sufet Prosa usem nasse Züber
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in der Chuchi ('s tribt mer d'Augen über);
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sel bi Gollig luegt en anderst a.
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Zwor i wil's bikenne, jo i ha
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au no Oberländer Poesie
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imme Fäßli, und henk d'Zunge dri,
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wenn's nit go will. Aber 's isch ke Art,
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nei es isch nüt, uf der sandige Hart.
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He der wüsset's wohl, i hannich jo
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lang und mengmol gseh bim Füeßli stoh.
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(churz het Euch no niene niemes gseh,
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wer's bihauptet, seit ke Wohret meh.)
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Selmols, traui, het's au Batze gchost,
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bis der füürig Geist in Eure Odere
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und in Eurem Chopf het welle lodere,
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und 's isch doch nit gsi, wie an der Post.
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Neie wohl! Se hettich au der Schmid
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z'Hüglen überlistet mit mim Lied!
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So ne gscheite Ma, wie Ihr sust sind,
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chauft e Chatz im Sack, und seig sie blind!
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Geb der Himmel, aß sie schöner Art
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und mit chloren Augen use fahrt,
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wenni 's Säckli lös und lock und sag:
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»büüsli chumm, und loß di seh am Tag!«
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Jez, Her Gyßer, bhüetich Gott der Her!
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Haltet mer mi Grobheit für en Ehr!
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Und Sanct Michael mit langem Säbel
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Sollich bschirme! – Johann Peter Hebel.
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Am fünften November Tusig Achthundert Zwei;
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i hätt's schier vergesse, mi armi Treu!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Peter Hebel
(17601826)

* 10.05.1760 in Geburtshaus Johann Peter Hebel, † 22.09.1826 in Schwetzingen

männlich, geb. Hebel

deutscher Dichter, evangelischer Theologe und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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