Die Überraschung im Garten

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Johann Peter Hebel: Die Überraschung im Garten (1793)

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»wer sprüzt mer alli Früeih mi Rosmeri?
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Es cha doch nit der Tau vom Himmel si;
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sust hätt der Mangeld au si Sach,
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er stoht doch au nit unterm Dach.
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Wer sprüzt mer alle Früeih mi Rosmeri?
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Und wenn i no so früeih ins Gärtli spring,
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und unterwegs mi Morgeliedli sing,
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isch näumis gschafft. Wie stöhn jez reihewis
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die Erbse wieder do am schlanke Ris
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in ihrem Bluest! I chumm nit us dem Ding.
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Was gilt's, es sin die Jumpferen usem See!
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Me meint zwar, 's chöm, wie lang scho, keini meh.
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Sust sin sie in der Mitternacht,
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wenn niemes meh as d'Sterne wacht,
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in d'Felder use gwandelt usem See.
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Sie hen im Feld, sie hen mit frummer Hand
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de brave Lüte gschafft im Garteland,
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und isch me früeih im Morgeschimmer cho,
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und het jez wellen an si Arbet go,
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isch alles fertig gsi – und wie scharmant!
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Du Schalk dört hinte, meinsch i seh di nit?
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Jo, duck di numme nieder, wie de witt!
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I ha mer's vorgstellt, du würsch's si.
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Was falleder für Jesten i? –
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O lueg, vertritt mer mini Sezlig nit!« –
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»o Kätterli, de hesch's nit solle seh!
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Jo, dine Blume hani z'trinke ge,
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und wenn de wotsch, i gieng für di dur's Füür
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und um mi Lebe wär mer dis nit z'tüür
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und 's isch mer, o gar sölli wohl und weh.«
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So het zum Kätterli der Friedli gseit;
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er het e schweri Lieb im Herze treit,
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und het's nit chönne sage just,
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und es het au in siner Brust
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e schüüchi zarti Lieb zum Friedli treit.
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»lueg, Friedli, mini schöne Blüemli a!
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's sin nummen alli schöne Farbe dra.
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Lueg, wie eis gegen em andere lacht
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in siner holde Früehligstracht,
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und do sitzt scho ne flißig Immli dra.« –
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»was helfe mer die Blüemli blau und wiß?
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O Kätterli, was hilft mer's Immlis Fliß?
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Wärsch du mer hold, i wär im tiefste Schacht,
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i wär mit dir, wo au kei Blüemli lacht
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und wo kei Immli summst, im Paradies.«
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Und drüber hebt si d'Sunne still in d'Höh,
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und luegt in d'Welt, und seit: »Was muß i seh
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in aller Früeih?« – Der Friedli schlingt si Arm
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um's Kätterli, und 's wird em wohl und warm.
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Druf het em 's Kätterli e Schmützli ge.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Peter Hebel
(17601826)

* 10.05.1760 in Geburtshaus Johann Peter Hebel, † 22.09.1826 in Schwetzingen

männlich, geb. Hebel

deutscher Dichter, evangelischer Theologe und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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