Der Dichter, als Prolog

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Wilhelm Müller: Der Dichter, als Prolog (1821)

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Und die ihr hört und schaut was Gutes gern,
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Zu einem funkelnagelneuen Spiel
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Im allerfunkelnagelneusten Styl;
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Schlicht ausgedrechselt, kunstlos zugestutzt,
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Mit edler deutscher Rohheit aufgeputzt,
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Keck wie ein Bursch' im Stadtsoldatenstrauß,
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Dazu wohl auch ein wenig fromm für's Haus:
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Das mag genug mir zur Empfehlung sein,
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Wem die behagt, der trete nur herein.

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Erhoffe, weil es grad' ist Winterzeit,
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Thut euch ein Stündlein hier im Grün nicht Leid;
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Denn wißt es nur, daß heut' in meinem Lied
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Der Lenz mit allen seinen Blumen blüht.
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Im Freien geht die freie Handlung vor,
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In reiner Luft, weit aus der Städte Thor,
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Durch Wald und Feld, in Gründen, auf den Höh'n;
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Und was nur in vier Wänden darf geschehn,
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Das schaut ihr halb durch's offne Fenster an,
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So ist der Kunst und euch genug gethan.

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Doch wenn ihr nach des Spiels Personen fragt,
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So kann ich euch, den Musen sei's geklagt,
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Nur
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Das ist ein junger blonder Müllersknecht.
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Denn, ob der Bach zuletzt ein Wort auch spricht,
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So wird ein Bach deshalb Person noch nicht.

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Drum nehmt nur heut das Monodram vorlieb:
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Wer mehr giebt, als er hat, der heißt ein Dieb.

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Auch ist dafür die Scene reich geziert,
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Mit grünem Sammet unten tapeziert,
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Der ist mit tausend Blumen bunt gestickt,
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Und Weg und Steg darüber ausgedrückt.
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Die Sonne strahlt von oben hell herein
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Und bricht in Thau und Thränen ihren Schein,
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Und auch der Mond blickt aus der Wolken Flor
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Schwermüthig, wie's die Mode will, hervor.
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Den Hintergrund umkränzt ein hoher Wald,
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Der Hund schlägt an, das muntre Jagdhorn schallt;
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Hier stürzt vom schroffen Fels der junge Quell
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Und fließt im Thal als Bächlein silberhell;
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Das Mühlrad braust, die Werke klappern drein,
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Man hört die Vöglein kaum im nahen Hain.

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Drum denkt, wenn euch zu rauh manch Lied-
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chen klingt,
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Daß das Lokal es also mit sich bringt.
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Doch, was das Schönste in der Mühle ist,
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Das wird euch sagen mein Monodramist;
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Verrieth' ich's euch, verdürb' ich ihm das Spiel:
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Gehabt euch wohl und amüsirt euch viel!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Müller
(17941827)

* 07.10.1794 in Dessau, † 30.09.1827 in Dessau

männlich, geb. Müller

deutscher Dichter des 19. Jahrhunderts (1794-1827)

(Aus: Wikidata.org)

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