1
Im dunkeln Epheu saß ich, an der Pforte
2
Des Waldes, eben, da der goldene Mittag
3
Den Quell besuchend, herunterkam
4
Von Treppen des Alpengebir'gs,
5
Das mir die göttlichgebaute,
6
Die Burg der Himmlischen heißt
7
Nach alter Meinung, wo aber
8
Geheim noch Manches entschieden
9
Zu Menschen gelanget; von da
10
Vernahm ich ohne Vermuthen
11
Ein Schicksal, denn noch kaum
12
War mir im warmen Schatten
13
Sich Manches beredend, die Seele
15
Und an die Küsten Morea's.
16
Jetzt aber, drinn im Gebirg,
17
Tief unter den silbernen Gipfeln,
18
Und unter fröhlichem Grün,
19
Wo die Wälder schauernd zu ihm
20
Und der Felsen Häupter übereinander
21
Hinabschaun, taglang, dort
22
Im kältesten Abgrund hört'
23
Ich um Erlösung jammern
24
Den Jüngling, es hörten ihn, wie er tobt',
25
Und die Mutter Erd' anklagt',
26
Und den Donnerer, der ihn gezeuget,
27
Erbarmend die Eltern, doch
28
Die Sterblichen flohn von dem Ort,
29
Denn furchtbar war, da lichtlos er
30
In den Fesseln sich wälzte,
31
Das Rasen des Halbgotts.
32
Die Stimme war's des edelsten der Ströme,
33
Des freigeborenen Rheins,
34
Und Anderes hoffte der, als droben von den
36
Dem Tessin und dem Rhodanus,
37
Er schied und wandern wollt', und ungeduldig ihn
38
Nach Asia trieb die königliche Seele.
40
Das Wünschen vor dem Schicksal.
42
Sind Göttersöhne, denn es kennet der Mensch
43
Sein Haus und dem Thier ward, wo
44
Es bauen solle, doch jenen ist
45
Der Fehl, daß sie nicht wissen wohin?
46
In die unerfahrne Seele gegeben.
47
Ein Räthsel ist Reinentsprungenes. Auch
48
Der Gesang kaum darf es enthüllen. Denn
49
Wie du anfiengst, wirst du bleiben,
50
So viel auch wirket die Noth
51
Und die Zucht, das Meiste nemlich
53
Und der Lichtstral, der
54
Dem Neugebornen begegnet.
57
Sein Leben lang und des Herzens Wunsch
59
Aus himmlischgünstigen Höh'n
60
Und so aus reinestem Schooße
61
Glücklich geboren, wie jener.
62
Drum ist ein Jauchzen sein Wort.
63
Nicht liebt er, wie andere Kinder
64
In Wickelbanden zu weinen;
65
Und wenn, wo die Ufer sich ihm
66
An die Seite schleichen, die krummen,
67
Und durstig umwindend ihn,
68
Den Unbedachten, zu ziehn
69
Und wohl zu behüten begehren
70
Im eignen Schlunde, lachend,
71
Zerreißt er die Schlangen und stürzt
72
Mit der Beut', und wenn in der Eil'
73
Ein Größerer ihn nicht zähmt,
74
Ihn wachsen läßt, wie der Blitz muß er
75
Die Erde spalten, und wie Bezauberte fliehn
76
Die Wälder ihm nach und zusammensinkend die
78
Ein Gott will aber sparen den Söhnen
79
Das eilende Leben und lächelt,
80
Wenn unenthaltsam, aber gehemmt
81
Von heiligen Alpen, ihm
82
In der Tiefe, wie jener, zürnen die Ströme.
83
In solcher Esse wird dann
84
Auch alles Lautre geschmiedet
85
Und schön ist's, wie er drauf,
86
Nachdem er die Berge verlassen,
87
Stillwandelnd sich im deutschen Lande
88
Begnüget und das Sehnen stillt
89
Im guten Geschäfte, wenn er das Land baut,
90
Der Vater Rhein, und liebe Kinder nährt
91
In Städten, die er gegründet.