Zwölf Palmen ragten am Meeresstrand

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Joseph Viktor von Scheffel: Zwölf Palmen ragten am Meeresstrand Titel entspricht 1. Vers(1856)

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Zwölf Palmen ragten am Meeresstrand
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Um eine alte Zisterne;
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Der Wagen knarrte im Ufersand,
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Die Sonne versank in der Ferne.

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Still einsam war's. Die Flut begann
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Sich im Abendpurpur zu färben,
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Da rannte der Tod mich plötzlich an,
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Daß ich vermeinte zu sterben.

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Der Herzschlag stockte, es stockte das Blut,
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Die Glieder wollten ermatten,
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Die Freunde trugen mit trübem Mut
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Hinab mich in kühlenden Schatten.

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Da sprach ich ruhig: »O laßt mich hier,
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Will nichts von der Heimfahrt mehr wissen;
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Sie fragten dort drüben noch nie nach mir,
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Können auch meine Asche vermissen.

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Hier umglänzt mich die alte blaugoldne Pracht,
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Die der Jugend Leid mir versüßte,
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Hier murmelt das Meer so träumerisch sacht,
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Als ob Sorrento mich grüßte.

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Hier umstehn, eine alt befreundete Schar,
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Mein Schmerzenslager die Palmen,
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Im Fächerdach rauscht's voll und klar
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Wie tröstende Sterbepsalmen.

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Hier fand ich Schönheit und Liebe und Glück
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Fern allen Toren und Laffen;
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Gern kehrt die Seele von hier zurück
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Zu dem, der das Schöne geschaffen.«

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Der Tod aber rief von der Straße her:
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»gemach, das hat keine Eile;
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Noch immer magst du im Lebensmeer
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Abzappeln dich eine Weile.

33
Kein übler Geschmack: so am Palmenstrand
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Ein Grab in italischer Erden!
35
Du mußt, o Freund, erst im deutschen Land
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Lebendig zur Mumie werden.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Victor von Scheffel
(18261886)

* 16.02.1826 in Karlsruhe, † 09.04.1886 in Karlsruhe

männlich, geb. Scheffel

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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