Der Fünfundsechziger

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Joseph Viktor von Scheffel: Der Fünfundsechziger (1856)

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In luftiger Trinkkemenaten
2
– Den Ort gesteht man nicht ein –
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Da prüften drei späte Nomaden
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Den edelsten pfälzischen Wein.
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Aus rötlichen Römern erblinkte
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Des Rieslings feinperlendes Gold,
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Des Höhensaums Rebgeländ' winkte
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Im Mondschein den Trinkenden hold.

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Der erste, ein weitum gereister
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Philologus, spitzte den Mund:
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»
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Mit Äther und Sonne im Bund.
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Drum flutet's und glutet im Becher
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Geistfunkelnd, sanftrhythmisch und voll,
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Als sängen homerische Zecher
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Ein jonisches Kneiplied in Moll.«

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Der zweite, ein trockener Kenner
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Und Deuter des römischen Rechts:
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»proficiat«, sprach er, »ihr Männer,
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Wir läppern allhiero nichts Schlechts.
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Wer schaut nicht, wenn bacchisches Donum
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So goldklar im Kelchglase scheint,
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Das Justum, Aequum et Bonum
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In diesem Römer vereint?«

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Der dritte, der putzte die Lichter,
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Die mächtig heruntergebrannt,
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Und sprach: »Zwar bin ich kein Dichter
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Und kunstlos und schlicht von Verstand;
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Doch nähert sich solch einem Schoppen
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Mein Herz ... dann überwallt's ...
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's is halt e verflucht feiner Troppen,
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Ich segne die Hügel der Pfalz!«

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Derweilen ging draus auf dem Damme
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Spießtragend ein vierter vorbei,
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Der blies eine wundersame
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Gewaltige Melodei:
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»ihr Herren, und lasset Euch sagen,
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Die Stadtgemeinde braucht Schlaf,
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Die Glocke hat eilf Uhr geschlagen,
40
Wer jetzt nicht zu Bett geht, zahlt Straf'.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Victor von Scheffel
(18261886)

* 16.02.1826 in Karlsruhe, † 09.04.1886 in Karlsruhe

männlich, geb. Scheffel

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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