Der letzte Postillon

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Joseph Viktor von Scheffel: Der letzte Postillon (1856)

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Bald ist, soweit die Menschheit haust,
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Der Schienenweg gespannt;
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Es keucht und schnaubt und stampft und saust
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Das Dampfroß rings durchs Land.

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Und wiedrum in fünfhundert Jahr
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Weiß der Gelahrteste nicht
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Zu sagen, was ein Hauderer war,
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Was Fuhrmanns Recht und Pflicht.

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Nur in der Nacht der Sonnenwend',
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Wo dunkle Schemen gehn,
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Wird zwischen Erd' und Firmament
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Ein fremd Gespann gesehn.

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Der Schimmel trabt, die Peitsche schwirrt,
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Laut schmettert Posthornton,
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Als Geist kommt durch die Luft kutschiert
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Ein greiser Postillon.

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Fahl glänzt am gelben Sperlingsfrack
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Thurn Taxis' Wappenknopf,
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Er raucht uralten Rauchtabak
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Aus braunem Ulmerkopf.

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Er raucht und spricht: »O Erdenball,
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Wie anders schaust du drein,
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Seit ich mit Sang und Peitschenknall
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Reichspostdienst tat am Rhein!

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O Zeit des Paßgangs und des Trabs,
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Des Trinkgelds und des Trunks,
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Des Poststalls und des Wanderstabs,
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Des idealen Schwungs!

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Jetzt geht die Welt aus Rand und Band,
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Die Besten ziehn davon,
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Und mit dem letzten Hausknecht schwand
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Der letzte Postillon.

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Jetzt rennt der Dampf, jetzt brennt der Wind,
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Jetzt gilt kein Fruh und Spat,
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Die Sonne malt und blitzgeschwind
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Briefschreibt der Kupferdraht.

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O neues Rüstzeug, alter Kampf!
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Wo treff' ich Glück und Ruh'?...
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O Erdenphosphor, Gas und Dampf!
40
Fahr' zu, mein Schimmel, fahr' zu!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Victor von Scheffel
(18261886)

* 16.02.1826 in Karlsruhe, † 09.04.1886 in Karlsruhe

männlich, geb. Scheffel

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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