Die Fahndung

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Joseph Viktor von Scheffel: Die Fahndung (1856)

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Und wieder sprach der Rodenstein:
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»pelzkappenschwerenot!
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Hans Breuning, Stabstrompeter mein,
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Bist untreu oder tot?
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Lebst noch?... Lebst noch und hebst noch?
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Man g'spürt dich nirgend mehr ...
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Schon naht die durstige Maiweinzeit,
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Du mußt mir wieder her!«

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Er ritt, bis er gen Darmstadt kam,
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Kein Fahnden war geglückt;
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Da lacht' er, als am schwarzen Lamm
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Durchs Fenster er geblickt:
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»er lebt noch!... Lebt noch und hebt noch!
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Doch frag' mich keiner: wie?
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Wie kommt mein alter Flügelmann
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In solche Kompagnie?«

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In Züchten saß der Stammgastschar
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Nach Rang und Würden dort,
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Dünnbier ihr Vespertrünklein war,
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Es klang kein lautes Wort.
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»sacht stets!... Sacht und bedacht stets
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Ist Lebens Hochgenuß«,
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So flüstert ein Kanzleimann just
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Zum Kreisamtssyndikus.

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In dieser Schöppleinschlürfer Reih'
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Saß auch ein stilles Gast,
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Und als es acht Uhr war vorbei,
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Nahm's Stock und Hut mit Hast.
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»acht jetzt!... acht jetzt ... gut Nacht jetzt!
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Einst war ich nicht so brav,
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Doch ehrbar wandeln ist das best'!
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Ich geh' ins Bett und schlaf'.«

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Der Rodenstein in grimmem Zorn
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Hub graunhaft sich empor;
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Dreimal stieß er ins Jägerhorn
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Und blies mit Macht den Chor:
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»'raus da! 'raus aus dem Haus da!
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'raus mit dem Deserteur!
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Das lahme, zahme Gast da drin
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Gehört zum wilden Heer!«

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Da faßt das Gast ein Schreck und Graus,
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Erst sank es tief ins Knie,
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Dann stürzt es einen Maßkrug aus,
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Schlug's Fenster ein und schrie:
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»'naus da! 'naus aus dem Haus da!
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O Horn und Sporn und Zorn!
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O Rodenstein! O Maienwein!
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Noch bin ich nicht verlor'n.
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Rumdiridi, Freijagd!
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Hoidirido, Freinacht!
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Alter Patron,
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Empfah' deinen Sohn!
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Hussah, halloh!
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Jo, hihahoh!
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'naus, 'naus, 'naus!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Victor von Scheffel
(18261886)

* 16.02.1826 in Karlsruhe, † 09.04.1886 in Karlsruhe

männlich, geb. Scheffel

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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