Der Granit

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Joseph Viktor von Scheffel: Der Granit (1856)

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In unterirdischer Kammer
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Sprach grollend der alte Granit:
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»da droben den wäßrigen Jammer
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Den mach' ich jetzt länger nicht mit.
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Langweilig wälzt das Gewässer
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Seine salzige Flut übers Land,
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Statt stolzer und schöner und besser
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Wird alles voll Schlamm und voll Sand.

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Das gäb' eine mitleidwerte
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Geologische Leimsiederei,
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Wenn die ganze Kruste der Erde
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Nur ein sedimentäres Gebräu.
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Am End' würd' noch Fabel und Dichtung,
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Was ein Berg – was hoch und was tief;
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Zum Teufel die Flözung und Schichtung,
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Hurra! ich werd' eruptiv!«

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Er sprach's, und zum Beistand berief er
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Die tapfern Porphyre herbei,
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Die kristallinischen Schiefer
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Riß höhnisch er mitten entzwei.
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Das zischte und lohte und wallte,
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Als nahte das Ende der Welt;
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Selbst Grauwack, die züchtige Alte,
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Hat vor Schreck auf den Kopf sich gestellt.

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Auch Steinkohl' und Zechstein und Trias
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Entwichen, im Innern gesprengt,
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Laut jammert im Jura der Lias,
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Daß die Glut ihn von hinten versengt.
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Auch die Kalke, die Mergel der Kreiden
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Sprachen später mit wichtigem Ton:
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»was erstickte man nicht schon beizeiten
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Den Keim dieser Revolution?«

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Doch vorwärts, trotz Schichten und Seen,
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Drang siegreich der feurige Held,
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Bis daß er von sonnigen Höhen
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Zu Füßen sich schaute die Welt.
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Da sprach er mit Jodeln und Singen:
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»hurra! das wäre geglückt!
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Auch unsereins kann's zu was bringen,
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Wenn er nur herzhaftiglich drückt!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Victor von Scheffel
(18261886)

* 16.02.1826 in Karlsruhe, † 09.04.1886 in Karlsruhe

männlich, geb. Scheffel

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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