Vergnüglich flüsternd ziehn des Neckar Wogen

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Joseph Viktor von Scheffel: Vergnüglich flüsternd ziehn des Neckar Wogen Titel entspricht 1. Vers(1856)

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Vergnüglich flüsternd ziehn des Neckar Wogen
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Vorbei dem Ursitz deutscher Wissenschaft,
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Hoch ob der Brücke schlanken Pfeilerbogen
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Hebt sich des Schlosses giebelstolze Kraft.
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Ein Blütenschnee von Kirschen, Pfirsich, Flieder
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Flockt duftverhauchend um das junge Grün,
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Und prangt Altheidelberg im Lenzschmuck wieder,
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Sorgt niemand viel sich um des Lebens Mühn.

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In diesem Tal der weißen Blütenbäume
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Kam mir des Ortes Genius oft genaht
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Und fügte Scherz, Humor und heitre Träume
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Zum Wissensernst der alten Musenstadt.
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Er ging nicht steif in klassischen Gewanden,
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Ging keck und flott und trank wie ein Student
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Und glich nicht viel den neun antiken Tanten,
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Die man im Mythus mit Apollo nennt.

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Was er mich lehrte, bracht' ich in den
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Wo eine treubewährte Freundesschar
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Den Mittwoch in den Donnerstag zu längern
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Bei goldnem Rheinwein oft beflissen war.
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Da fiel's nicht schwer, die Saiten hell zu schlagen,
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Selbst würdige Pfarrherrn wurden singend laut,
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Wenn uns ein Meister dessen Tod wir klagen,
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Mit kundiger Hand den Maientrank gebraut.

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Zwei Kesselpauken dienten als Orchester
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Und eines Ofenschirms gewalztes Blech,
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Das dröhnte oft zum Rundgesange fester
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Denn Meeressturm und wilden Heers Gezech.
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Zum lustigen Wort fand sich die lustige Weise
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Und oft scholl Beifall unsrer schlichten Art,
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Als läg' in diesem Maiweinnipekreise
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Waldmeisters Wunderhorn als Schatz verwahrt.

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Als von der Neckarstadt, der ewig heitern,
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Zur Ferne sich mein Lebenspfad gewandt,
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Ward manch ein Schreibebrief noch aus dem
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Mit Freundesgruß dem Engern zugesandt.
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Von welschen wie von deutschen Landschaftsbildern
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Hielt dies und das Erinnerung zurück
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Gleich Blättern eines Skizzenbuchs: sie schildern
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Harmloser Wanderlust verflüchtigt Glück.

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Nun schau' ich aus solidem Schwabenalter
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Auf dieser Lyrik jugendtollen Schwung
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Und reiche lächelnd meinen Liederpsalter
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Den Zechern allen, die im Herzen jung.
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Wer Spaß versteht, wird manchmal kräftigst lachen,
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Und wen manch Lied schier allzu durstig deucht,
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Der tröste sich: 's war anders nicht zu machen,
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Der Genius Loci Heidelbergs ist feucht!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Victor von Scheffel
(18261886)

* 16.02.1826 in Karlsruhe, † 09.04.1886 in Karlsruhe

männlich, geb. Scheffel

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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