8. Die Schlacht am Stoß

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Gustav Schwab: 8. Die Schlacht am Stoß (1821)

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An den Gräbern zu Sankt Gallen
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Hat er lang sein Schwert gewetzt;
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Mutig durch die dichte Waldung
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Dringt empor der Adel jetzt,
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Haut den Weg sich mit der Axt,
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Bäum' und Feinde wirft er nieder,
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Von den lauten Schlägen hallt
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Dumpf des Rheinthals Kessel wieder.

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Weh! der Hirten Vorhut weichet,
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Ist zu eilig vorgedrungen
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Auf gewohnter Siegesbahn.
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Und sein Haufen wankt erdrückt
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Von dem eisernen Gewichte,
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Dreißig stürzen rechts und links,
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Vor des Führers Angesichte.

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Von den Seinigen verlassen
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(viele starben, wenig flohn),
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Siehet sich umringt der Uli
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Und zwölf Ritter ihn bedrohn.
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Eines Sennen Hütte steht
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Einsam an des Waldes Saume,
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Bietet seinem Rücken Schutz,
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Und so ficht er als im Traume:

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Denn von seiner grimmen Gegner
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Hochgehobnem, rundem Schild
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Gähnt ihn an mit offnem Rachen
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Mannichfaches, grauses Wild;
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Der von Ramswag hält ihm vor
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Ein entsetzlich Paar von Löwen,
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Ein gehörntes Flügelthier
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Dräut im Schilde des von Höwen.

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Doch die Löwen und den Drachen
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Fällt der Appenzeller Bär,
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Bald auf ihren Schilden liegen
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Beide Kämpfer stumm und schwer.
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Zornig mit dem Vogel Greif
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Drängt sich vor der Greifensteiner;
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Von der Streitaxt fallen sie,
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Mann und Vogel, auf steht keiner.

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Und geschirmt vom Dach der Hütte
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Beut der Held noch Neunen Trutz,
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Wolfurt sucht und Ebersberger
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Hinter Wolf und Eber Schutz.
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Aber den durchfährt der Speer,
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Und der Andre stürzt vom Schwerte:
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Sieben kämpfen aufrecht noch,
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Fünfe liegen auf der Erde.

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Sechs umringen Jenen streitend,
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Einer aber nimmt sich Frist,
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Facht ein Feuer an im Laube,
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Sinnt auf eine böse List:
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Nicht umsonst führt er im Schild
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Eine feuerspei'nde Schlange,
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Schleudert seinen Feuerbrand
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Nach des Daches Ueberhange.

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Und des Hirten Stirn umwirbelt
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Tückisch bald der finstre Rauch,
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Blinzend wehrt er ab die Streiche,
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Und der Flamme glüh'nden Hauch;
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Seinen Geist befiehlt er Gott,
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Denn jetzt stürzt das Dach zusammen!
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So erliegt der fromme Held
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Nicht dem Schwerte, nein, den Flammen!

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Von dem schweren Kampf mit Einem
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Ruh'n die sieben Ritter aus,
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Ueber sich hoch auf dem Berge
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Hören sie der Schlacht Gebraus;
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Denn es rang der Edlen Heer
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Siegreich sich empor nach oben,
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Kämpfend weicht der Hirt zurück,
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Immer ferner hallt das Toben.

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Endlich auf dem höchsten Gipfel
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Mit der neuen Brüder Schar
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Hält der kluge Werdenberger,
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Keine Flucht ihr Weichen war;
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Freilich ist ihr Häuflein dünn,
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Und der Feinde sind dreitausend,
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Doch dem Himmel trauen sie –
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Und am Himmel regt sich's brausend.

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Auf des schwülen Föhnes Flügel
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Zieht's vom hohen Säntis her,
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Wolken schichten sich auf Wolken,
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Liegen auf dem Walde schwer.
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Blitzesschein erhellt die Schlacht,
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Wie auf Rossen fliegt das Wetter,
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Gottes Feldposaune dröhnt
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Mit dem hallenden Geschmetter.

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Und auf ihren Ruf ergießen
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Sich des Regens Ströme dicht,
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Zwar den Hirten in den Rücken,
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Doch den Rittern in's Gesicht.
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Auf dem Boden glatt und naß
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Haften nicht der Männer Schritte,
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Da vom Pferde springt der Graf,
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Stellt sich in der Hirten Mitte.

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»ahmet mir nach,« schreit er, »Brüder!
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Streifet ab vom Fuß den Schuh!
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Jetzt geflogen sichern Trittes
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Auf die schwanken Feinde zu!«
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Barfuß rennt der Held voran,
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Zu der Donner lauten Hallen
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Läßt die Streitaxt er zuerst
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In die dichten Haufen fallen.

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Pfeil und Wurfspieß fliegt herunter,
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Schwerter blitzen kühn darein,
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Und die kaum verlaßnen Hügel
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Nimmt der Hirte wieder ein.
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Sorglich zieht der Feind zurück
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Seine festgeschloßnen Glieder;
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Aber links, vom Bergesrand,
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Was bewegt sich dort hernieder?

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Hirt und Ritter schaun und zögern:
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Eine lange, stille Schar,
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Ziehen blendende Gestalten
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Längs den Höhen wunderbar.
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Woher kommt das neue Heer?
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Grausen faßt das Herz der Ritter:
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Hat Gespenster ausgespie'n
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Dieses höllische Gewitter?

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Auch der Hirte sinnt mit Staunen,
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Wie ihm Hilfe kommen soll;
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Plötzlich ruft der Werdenberger
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Laut und heil'ger Freude voll:
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»kämpfen wir nicht heut im Herrn,
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Brüder, am Frohnleichnamsfeste?
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Seine Heerschar sendet er,
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Engel sind es, Himmelsgäste!«

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Und hernieder von dem Gipfel
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Wallt der lange, fremde Zug;
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Weiße, wogende Gewande
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Flattern in des Windes Flug.
132
Tausend Arme heben sich
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Halb zu beten, halb zu schlagen,
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Und darüber rollt und blitzt
135
Gottes glüh'nder Donnerwagen.

136
Ein Entsetzen faßt die Feinde,
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Rücklings stürzen sie hinab,
138
Und der Fels und feuchter Rasen
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Und der Rheinstrom wird ihr Grab.
140
Tausende mit edlem Blut
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Haben Wald und Flur gedünget,
142
Und des Volkes Freiheit steigt
143
Aus der Schlacht empor verjünget.

144
Und verschwunden ist das Wetter,
145
Abendsonne scheinet klar;
146
Droben auf der Höhe wartet
147
Immer noch die weiße Schar.
148
Und der Hirte klimmt empor:
149
Wird er Engel Gottes schauen? –
150
Sieh! da stehn im Sonnenglanz
151
Seine Töchter, seine Frauen!

152
Sollten sie zu Hause sitzen,
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Von der Männer Geist erfüllt?
154
Nein! in langes Hirtenhemde
155
Haben sie den Leib gehüllt.
156
Nicht vergebens folgten sie
157
Ihres Herzens kühnem Schlage;
158
Und bezahlet ihre Schuld
159
Haben sie dem großen Tage.

160
Fröhlich an der Männer Seite
161
Schauen sie in's grüne Thal:
162
Rebenhügel, blüh'nde Gärten,
163
Burgen glühn im Abendstral;
164
Und dazwischen strömt der Rhein,
165
Wälzt vergoldet seine Wogen;
166
Morgen ins gelobte Land
167
Kommen Hirten eingezogen!

168
»brüder!« spricht der Werdenberger,
169
»vorher gilt's noch einen Strauß,
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Denn es horstet noch der Adler
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Drüben in Sankt Gallens Haus!
172
Erst den Herzog fortgejagt!
173
Erst den Abt in Wyl gefangen!« –
174
»nein,« jauchzt ihm der Hirte zu,
175
»erst gen Werdenberg gegangen!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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