3. Wie die Schwabenstädte Abt Kuno Hilfe senden

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Gustav Schwab: 3. Wie die Schwabenstädte Abt Kuno Hilfe senden (1821)

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Wandrer mögen gerne spähen
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Von dem Vögliseck in's Land,
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Sich den blauen See besehen
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Und die Städte längs dem Strand:
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Bregenz unter düstern Fichten,
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Helles Lindau, Inselstadt,
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Mörsburg zwischen Wein und Früchten,
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Kostnitz, das den Rheinstrom hat;

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Aber das ist nicht, was heute
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Sieht der Appenzeller Hirt,
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Dessen Blick die offne Weite,
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Finstrer Sorgen voll, durchirrt:
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Er zählt nur die Männerscharen,
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Die aus Schwabens Städten ziehn,
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Er sieht nur die Schiffe fahren,
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Alle

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Wie von giftigen Gewürmen
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Wimmelt das Gestade schon,
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Fröhlich von Sankt Gallens Thürmen
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Lädt sie ein der Glocken Ton.
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Und ein Wiehern steigt von Pferden
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Aus dem tiefen Thal herauf;
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Nach der Heimat mit den Heerden
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Eilt der Hirt in schnellem Lauf.

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Drunten meldet er die Kunde;
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Und, die Panzer angethan,
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Fängt in seinem Wiesengrunde
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Appenzell zu tagen an.
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Doch wer soll dir Kundschaft bringen
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Aus der feindevollen Stadt,
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Völklein, das zu solchen Dingen
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Wenig Witz und Gabe hat?

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Greif' nur mutig zu den Wehren,
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Küre deinen Landshauptmann;
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Wirst du doch die Welt bald lehren,
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Was die kluge Unschuld kann:
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Deine Töchter werden Boten,
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Ziehen zu dem Feind mit Lust;
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In den Miedern bebt, den roten,
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Mutig eine treue Brust!

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Durch die Thore von Sankt Gallen,
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Wo der Wächter stehn genug,
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Läßt man doch die Mägde wallen
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Mit der Milch im schmucken Krug.
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Denn die Städter in dem Saale
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Mit des See's bejahrtem Most
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Tränkt der Abt, doch zu dem Mahle
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Taugt der Alpen fette Kost.

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Und die Jungfraun stehen drinnen
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Zierlich in des Klosters Flur,
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Spähn mit klugen Weibersinnen,
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Kommen vielem auf die Spur:
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Wo Herr Kuno mit den Schwaben
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Hält beim Becher lauten Rat;
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Wenn sie g'nug erlauschet haben,
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Gehn sie heim auf steilem Pfad. –

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Jene tagten auf der Wiese,
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Bis die Schar der Töchter kam,
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Und zum Vater eilet diese,
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Die zum rüst'gen Bräutigam:
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»männer! weiter nicht gesäumet,
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Auf, gen Speicher diese Nacht!
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Wenn sie meinen, daß ihr träumet,
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Haltet vor dem Lande Wacht!«

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Und zweihundert sind gerüstet,
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Eh' der Mond am Himmel scheint,
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Die nach kühnem Kampf gelüstet
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Gegen zehnmal stärkern Feind.
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Einen klugen Scharenmeister
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Hat das treue Schwyz gesandt;
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Stille ziehen sie wie Geister,
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Nächtlich auf des Berges Rand.

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Ueber ihren Häuptern gehet
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Trüb und rot ein seltner Stern,
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Wie den Scheitel Haar umwehet,
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Wallt ein Schweif um seinen Kern.
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Wohl ist er ein finster Zeichen,
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Wo er scheint, da fließet Blut;
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Fließ' es denn von unsern Streichen!
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Denken sie im hohen Mut.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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