11. Wie die Könige nach Hause kamen und was weiter geschah

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Gustav Schwab: 11. Wie die Könige nach Hause kamen und was weiter geschah (1821)

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Die Kön'ge, die in dreizehn Tagen
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Der wundervolle Stern geführt,
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Daß sie von keiner Reise Plagen,
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Von keines Wegs Verdruß gespürt,
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Seit sie zusammen heimwärts kehren,
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Wie langsam geht ihr Zug voran,
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Daß ihnen ewig däucht zu währen
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Die jüngst so rasch durchflogne Bahn.

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Bald gähnt ein Schlund vor ihrem Fuße,
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Bald steigt ein Berg vor ihnen auf,
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Vor einem brückenlosen Flusse
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Steht jetzo, jäh gehemmt, ihr Lauf.
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Und ist er überbaut, durchschwommen,
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So wandern sie im öden Land;
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Und wenn sie in's bewohnte kommen,
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Faßt Niemand ihres Worts Verstand.

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Doch wo durch Zeichen und durch Worte
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Sie öffnen können Aug' und Ohr,
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Erzählen sie von ihrem Horte
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Und bringen ihre Wunder vor.
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Mit Demut und mit ganzer Liebe
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Beschreiben Mutter sie und Kind,
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Und wecken heißer Sehnsucht Triebe,
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Wo Menschen, die es hören, sind;

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Und ziehen fort, am Leib ermüdet,
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Am Geiste fröhlich und getrost,
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Im Herzen seliglich befriedet,
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Wenn um sie Sturm und Wetter tost.
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Es trennt sich keiner von dem andern,
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Und endlich, nach dem zweiten Jahr,
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Sieht man hinauf den Berg sie wandern,
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Wo erst der Stern erschienen war.

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Dorthin bescheiden sie die Fürsten
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Und ihrer Völker manchen Mann,
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Die nach des Sternes Heile dürsten –
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Und kündigen das Wunder an.
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Da regen sich mit froher Schnelle
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Der Arme viel von Jung und Alt,
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Und eine freudige Kapelle
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Glänzt auf des Berges Spitze bald.

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Der Götter trübe Mißgebilde
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Sie blieben diesem Tempel fern,
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Man sah da nur in sel'ger Milde
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Des Kindes Bild in einem Stern.
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Jetzt ekelte vor ihren Göttern
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Der Völker aufgethanem Sinn,
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Sie gingen fort, sie zu zerschmettern,
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Und stellten Stern und Kindlein hin.

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Drauf haben leiblich sich geschieden
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Die frommen Kön'ge Hand aus Hand,
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Und trugen ihres Kindes Frieden
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Ein jeder in sein eigen Land;
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Doch ihre Herzen allerwegen,
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Die blieben bei einander stets;
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Und jährlich kamen sie zu pflegen
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In der Kapelle des Gebets.

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Und jedesmal, so oft sie kamen,
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Da wußten sie der Wunder viel,
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Verkündeten, wie guter Samen
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In so viel neue Herzen fiel.
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Von unsichtbarer Hand getrieben,
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Wird ihnen leicht ihr Fürsten-Amt,
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Ein kindlich Hoffen, Glauben, Lieben
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Hat ihrer Völker Herz entflammt.

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Gar manches Jahr verging den Frommen
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In solches Kinderglaubens Stral,
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Und auf dem Berg zusammenkommen
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Sind sie schon mehr denn dreißigmal.
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Es war der König der Araben
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Gebeugter, hundertjähr'ger Greis;
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Des Mohrenjünglings Haupt umgaben
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Die sonst so schwarzen Locken weiß.

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Und also knieten einst die Greisen
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Zusammen vor des Kinds Altar,
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Und um die drei, da stand der weisen,
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Der edlen Morgenländer Schar;
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Da kam zu der geweihten Schwelle
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Herein ein schlichter Pilgersmann,
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Er schaut sich um in der Kapelle,
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Er hebt getrost die Botschaft an.

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Es ist ein Bote von dem König!
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Wie horcht der Männer glaubig Ohr!
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Wie wußten sie seither so wenig,
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Welch neues Bild schwebt ihnen vor!
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O martervolle Kreuzerhöhung!
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O Tod von unerforschter Art!
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O wunderbare Auferstehung!
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O wonnereiche Himmelfahrt!

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Der Bote bringt die rechten Kunden,
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Er hat kein Traumbild ausgehegt,
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Hat in des Meisters Seitenwunden
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Die zweifelsbange Hand gelegt.
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Er ging, und auf dem Pilgerlaufe
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Rief seinen Herrn und Gott er aus,
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Und heute fodert er zur Taufe
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Die Greisen in des Kindes Haus.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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