10. Wie Herodes die Kindlein in Bethlehem ermorden ließ

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Gustav Schwab: 10. Wie Herodes die Kindlein in Bethlehem ermorden ließ (1821)

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Zu Bethlehem am selben Tage,
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Da Joseph mit dem Kind geflohen,
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Erhebet sich Geheul und Klage,
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Da jammern Frauen, Würger drohen
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Und gehn, wie Tiger in der Wüsten
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Auf Raub mit mörderischem Mute;
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Da mischet an der Mutter Brüsten
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Die Milch sich mit des Säuglings Blute.

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Das kleinste Kind wird nicht verschonet,
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Muß, eh' es lächeln kann, verderben,
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Und, dem schon Lust im Auge wohnet,
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Nicht Gnade kann sein Blick erwerben.
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Dort ruft mit halbgelöster Zunge
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Ein anderes dem Vater lallend;
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Da kommt ein Schwert mit raschem Schwunge
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Ihm in sein stammelnd Bitten fallend.

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Und nieder schaut von dem Gebirge
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Auf die mit Blut getränkten Matten,
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In das Geschrei, in das Gewürge,
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Der Stammfrau jammervoller Schatten.
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Eins um das Andre sieht sie fassen,
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Sie weint, sie ruft, sie kann's nicht hindern,
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Rahel will sich nicht trösten lassen,
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Denn es ist aus mit ihren Kindern.

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Doch des Herodes Henkersknechte,
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So sicher sie auch spähn und schlagen,
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Sie treffen nimmermehr das rechte:
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Das wandert sänftiglich getragen. –
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In seinen Traum am Mutterherzen
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Verirrt sich nicht der Mörder Toben;
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Es ist ein Kind, zu andern Schmerzen
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Und andrem Sterben aufgehoben.

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Ein Mann, wird er das Land durchwandeln,
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Und Zeichen thun und göttlich lehren,
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Mit seinem Wort, mit seinem Handeln
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Zum Himmelreiche viel bekehren,
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Zu einem Reich, vor dem kein König
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Den Thron mit Morde braucht zu wahren,
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Zu einem Reich, dem unterthänig
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Nur Seelen sind und Engelscharen.

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Er aber, dieses Reiches Gründer,
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Er wandelt nicht den Weg zum Throne,
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Er geht den Weg verdammter Sünder,
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Von Dornen trägt er eine Krone.
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Er wird am Kreuz den Fluch der Erde,
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Die Welt erlösend, göttlich büßen;
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Den Geist durchbohrt von einem Schwerte
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Steht

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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