9. Wie Joseph mit der Jungfrau und dem Kinde floh

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Gustav Schwab: 9. Wie Joseph mit der Jungfrau und dem Kinde floh (1821)

1
Es ging der Kön'ge Zug hinaus,
2
Und manche Nacht kam ohne Stern,
3
Und öde war's im dunkeln Haus:
4
Da trat der Engel ein des Herrn.
5
Sein Auge, schauend in der Nacht,
6
Ruht auf der Jungfrau, auf dem Sohn,
7
Den selig schlummernden, und sacht
8
Berührt des Vaters Ohr sein Ton:

9
»fleuch nach Egypten, Mann, geschwind;
10
Harr' aus, bis ich dich rufe dort.
11
Herodes Mordstahl sucht das Kind:
12
Mit ihm und mit der Mutter fort!«
13
In Josephs Traume spiegelt sich
14
Des Boten selige Gestalt;
15
Der Schlaf entfloh, der Engel wich,
16
Aufsteht er mit Marien bald.

17
Das Es'lein aus dem Stall er führt,
18
Er löst es mit dem Opfergold.
19
Und sorgsam dann, wie sich's gebührt,
20
Hebt er hinauf die Jungfrau hold;
21
Das Knäblein schläft an ihrer Brust,
22
Er wandelt, an dem Zaum die Hand,
23
Und mit der Morgensonne Lust
24
Sind sie schon weit im offnen Land.

25
Der Inderschätze reiches Gut
26
Es hat sich wunderlich geschmiegt,
27
In einem Bündelein es ruht,
28
Das auf des Thieres Rücken liegt.
29
Und leicht und fröhlich geht die Fahrt,
30
Und überall auf ihrer Spur
31
Die Menschen werden beßrer Art,
32
Und freundlicher wird die Natur.

33
Die Lüfte bleiben warm und rein,
34
Der Berg wird eben ihrem Schritt,
35
Und in den öden Wüstenei'n
36
Entsprossen Rosen ihrem Tritt.
37
Und stehen wo im Heidenland
38
Die Götzenbilder, riesig, stumm:
39
Wo nur ihr Pfad sich hingewandt,
40
Da wanken sie und stürzen um.

41
Und nach der zwölften Tagfahrt schon
42
Winkt aus Egyptens heißem Sand
43
Und beut den kühlen Blumenthron
44
Ein selig blühend Inselland:
45
Dort ist der Himmel ewig hell,
46
Dort athmen sie des Balsams Duft,
47
Dort ruhen sie am schatt'gen Quell,
48
Und harren, bis der Engel ruft.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.