8. Wie die Könige zu Bethlehem das Kind Jesus fanden und es anbeteten

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Gustav Schwab: 8. Wie die Könige zu Bethlehem das Kind Jesus fanden und es anbeteten (1821)

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Vor Bethlems Mauern hält der Zug;
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Da luden sie von den Kameelen,
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Was jedes edler Schätze trug,
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Gold, Silber, Purpurkleid, Juwelen;
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Sich selbst sie schmückten königlich,
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Den höchsten König zu empfangen,
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Und hinter ihnen reihte sich
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Die Heereskraft in stolzem Prangen.

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Der greise König
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Dem, als der Stern, das Auge flammte,
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Ging wie ein Priester Allen vor,
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Im faltenreichen Purpursammte:
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Das blaue Stahlgewand umschließt
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Den
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Aus Rotgold, wie aus Feuer, sprießt
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Das schwarze Haupt

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So ziehn sie durch den kleinen Ort
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In tiefen, fragenden Gedanken;
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Doch macht des Engels seltsam Wort
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Den Greisen und den Mann nicht wanken.
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Dem Jüngling nur, dem Mohren, pocht
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Das Herz noch zweifelnd an die Rippen:
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Zu reimen hat er nicht vermocht
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Die Königswürde mit der Krippen.

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Doch nicht mehr zweifeln läßt der Stern,
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Er hält in seines Laufes Mitte,
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Fest, unbeweglich krönt sein Kern
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Das Haupt von einer morschen Hütte.
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Ein grau, zerfallen, alt Gestein,
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Ein Strohdach kärglich überkleidet:
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Soll das des Königs Wohnung sein?
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Ja! spricht der Greis, der Stern entscheidet.

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Umringt ist schnell der schnöde Stall
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Von aller Erde Herrlichkeiten.
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Es drängt sich rings der Diener Schwall,
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Der Gaben reichste zu bereiten.
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Die Fürsten treten ein gebückt,
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Das Sternlicht fließet durch die Wände,
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Sie sind von solchem Stral durchzückt,
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Daß sich ihr Haupt senkt in die Hände.

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Als sie den Blick nun aufgethan
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Und all das Licht gelernt ertragen,
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Wer doch vermag, was da sie sahn,
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Der es nicht selbst geschaut, zu sagen?
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Da wird die stolze Sprache stumm;
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Doch ist ein Schein davon geblieben!
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Schau dich nach frommen Bildern um,
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Dort findest, Sänger, du's geschrieben:

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In dem zerfallenen Gebäu,
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Da sitzt bei'm Eselein und Rinde
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Im öden Stall, auf armem Heu,
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Ein stilles Weib bei ihrem Kinde.
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Ein Weib? O schaut ihr Angesicht!
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Fürwahr, sie weiß von keinem Manne,
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Mit jungfräulichem Augenlicht
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Hält sie der Erde Lust im Banne.

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Und ist doch es ihr eigner Sohn,
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Den sie hält mütterlich umschlungen;
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Sie hat, entströmt dem Himmelsthron,
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Des Allerhöchsten Kraft durchdrungen.
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Der stolze Mutterblick es sagt,
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Es sagt's die Hand auf reinem Herzen,
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In dem's von Gottes Lust nur tagt,
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Und nachtet nur von Gottes Schmerzen.

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Nicht Krone brauchet solche Frau,
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Nicht der Gewänder farb'ge Gluten,
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Nur eines Mantels Dunkelblau
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Sieht man den reinen Leib umfluten,
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Und, als der echten Gottesbraut,
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Wallt ihr um's Haar der weiße Schleier;
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Doch allverklärend überthaut
72
Der Stern sie mit dem ew'gen Feuer.

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Der Stern bestralt das zarte Kind,
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Das Angesicht von Milch und Rose,
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Es ist, wie andre Kinder sind,
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Ruht hilflos, nackt, im Mutterschooße.
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Es liegt so still und wonniglich,
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Daß sie im Schauen sind verloren,
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Und willig beugt der Nacken sich
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Des stolzen, jugendlichen Mohren.

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Verwirrt von solcher Lieblichkeit
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Vergaßen sie der reichen Gaben,
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Das Nächste, was der Diener beut,
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Das Kleinste sie ergriffen haben.
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Ein wenig Goldes faßt der Greis,
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Der Mann streut Weihrauch auf's Geschirre,
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Der Jüngling sucht in Thränen heiß,
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Und greift – nach einer Handvoll Myrrhe.

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Die Jungfrau neigt sich mildiglich
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Zu eines Jeglichen Geschenken,
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Ihr Blick füllt mit dem Geiste sich,
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Er scheint in Deutung sich zu senken:
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Dem
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Doch
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Des

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Sie ringt mit dem verborgnen Sinne:
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Ob sie dem Staunen Worte leiht? –
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Die Fürsten werden es nicht inne,
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Sie sind dem König zugewandt,
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Sie ruhn in Andacht vor der Krippe,
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Und drücken still die zarte Hand
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Des Kindes an die heiße Lippe.

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Doch lenkt den weisen Melchior
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Der Geist auf seine beste Gabe:
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Den goldnen Apfel langt er vor,
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Er war einst Alexanders Habe;
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Zu seines Zepters Schmuck bestellt,
108
Des runden Weltalls köstlich Zeichen,
109
Geschmelzt vom Zins der ganzen Welt –
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Was läßt sich mehr dem Kinde reichen?

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Mit seinem Blick und seinem Hauch
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Hat dieses kaum den Ball berühret,
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Sieh! der verstob zu Asch' und Rauch;
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Wohin er fuhr, ward nicht verspüret. –
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Verwandelt ist das Angesicht
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Des Kindes da vor ihren Blicken,
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Auf seinen Wangen wohnt das Licht,
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In dem die Himmel sich erquicken.

119
Und welch ein Aug' – ein Aug' ist sein,
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Geformt aus Gottes Feuerflammen;
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Ein Aug' – es spricht: Die Welt ist mein,
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Ich kann erlösen und verdammen! –
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Jetzt taget es in ihrem Geist,
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Die alten Finsternisse fliehen,
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Und die entsetzte Zunge preist
126
Des Schöpfers Macht, vor der sie knieen. –

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Wer aber steht zur Seite still,
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Und sinnt, auf seinen Stab gelehnet,
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Andächtig, was da werden will,
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Nicht an so Herrliches gewöhnet?
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Ein wohlbejahrter, frommer Mann,
132
Ein treuer, irdischer Berater;
133
Sprich, wo man bessern finden kann
134
Zu solchen Kindes Pflegevater?

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Der nimmt die Kön'ge bei der Hand,
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Und führt sie freundlich aus der Klause.
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Sie stehen lang noch umgewandt
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Vor dem zerfallnen, alten Hause,
139
Ist es doch wie ein grauer Rest
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Gestürzten Tempels anzuschauen:
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Der Gott, der drin sich niederläßt,
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Der wird ihn herrlich wieder bauen!

143
So standen in Gedanken sie,
144
Und zogen fürbaß in Gedanken;
145
Doch da begann der Rosse Knie
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Und der Kameele Tritt zu schwanken.
147
Und Hungers, Durstes, Schlafs Gewalt
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Fing an im Haufen sich zu regen;
149
Und selbst die Fürsten mußten bald
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Zu Mahl und Schlaf sich niederlegen.

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Und sieh! ein Traumbild warnt ihr Herz,
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Es nahen zarte Kinderseelen,
153
Und winken ihnen, heimatwärts
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Sich einen andern Pfad zu wählen.
155
»nicht in Herodes falsches Haus!«
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Hell klingt das Wort in ihren Ohren.
157
Sie wachen auf, sie ziehen aus –
158
Nacht ist's, der Stern ist längst verloren.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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