Wie lieblich grünend stehn die Auen

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Gustav Schwab: Wie lieblich grünend stehn die Auen Titel entspricht 1. Vers(1821)

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Wie lieblich grünend stehn die Auen,
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Durch die der Pfad nach Bethlem führt,
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Wie vollbelaubte Hügel schauen
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Ins Thal, das keinen Winter spürt.
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Es weiß nichts von des Hagels Schlägen
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Und bleibt im Sommer unversengt,
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Es wird zur Zeit der kalten Regen
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Mit warmem Frühlingsguß besprengt.

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Durch solches geht die Winterreise
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Der Könige mit Lenzesmut;
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Die Sonne sinkt, da gießt sich leise
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Durch's grüne Feld Smaragdenglut.
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Die Berge sind von Golde trunken,
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Der Bäche Silber leuchtet fern;
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Wohl ist die Sonne längst versunken,
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Doch über ihnen geht der Stern.

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Heut wandelt er mit ihren Tritten,
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Er geht so fest, so rasch voran;
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Ja, seine Stralen gleichen Schritten,
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Und lassen Spuren ihrer Bahn.
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Wie wenn ein lichter Regenbogen
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Durch's Thal, nicht durch die Wolken geht,
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So haben sie den Pfad gezogen
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Und eine Furche Golds gesät.

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Dort liegt an eines Hügels Saume
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Gelagert eine Hirtenschar,
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Erweckt aus ihrem ersten Traume
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Hat sie der Stern so wunderklar.
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Er deckt mit weißen, weichen Lichtern
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Der Schafe schlummernd Häuflein ganz,
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Und auf den frommen Angesichtern
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Der Hirten spiegelt sich sein Glanz.

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Da kommt der Fürsten Heer gezogen,
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Die Hirten richten sich empor;
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Auf flücht'gem Roß herbeigeflogen
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Sprengt an der Tharsisfürst, der Mohr:
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»erzittert nicht, ihr Hirtenleute!
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Wir sind kein feindlich Kriegesheer;
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Wir fallen nicht auf euch nach Beute,
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Wir werfen nicht nach euch den Speer!«

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Ihm tritt ein ernster Greis entgegen,
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Neigt sich und spricht: »Gewalt'ge Herrn!
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Es ist ein Wunder allerwegen:
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Hier solches Heer und dort der Stern!
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Doch schreckt uns nicht, was wir gewahren,
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Und blendet dieser Glanz uns nicht,
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Denn wißt, wir sahn des Himmels Scharen,
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Und schauten mehr denn Sternenlicht.

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Wir lagen still bei unsrer Heerde; –
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Dreizehnmal ward seit dem es Nacht –
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Da goß sich Klarheit auf die Erde,
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Da wallt' ein Glanz um uns mit Macht,
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Da hatt' im Kleid, aus Licht gewoben,
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Ein Jüngling sich herab gesenkt,
55
Ein Hirte däucht' es uns, der droben
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Des Himmels goldne Schafe tränkt.«

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Er sprach: »Getrost! ich bin Verkünder
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Des Heils, das heut euch widerfährt:
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Euch ist der Heiland aller Sünder,
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Der Christ, in Davids Stadt bescheert.
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Bewahrt das Wort von meinen Lippen,
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Sucht, bis das Zeichen sich erfüllt:
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Ihr findet dort in einer Krippen
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Ein Kind in Windeln eingehüllt!«

65
Er sprach's, und alsbald war die Menge
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Der Himmelsscharen um ihn her,
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Da rauschten selige Gesänge,
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Da wogt' um uns des Lichtes Meer.
69
Wir aber gingen anzubeten,
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Wir kennen unsern König jetzt:
71
Seit hat von Erden-Lust und -Nöten
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Uns nichts erfreut, uns nichts entsetzt.«

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Nun wurden Kön'ge bald und Hirten
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In freudigen Gesprächen eins,
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Und Beider Heerden traulich irrten
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Vermengt im Glanz des Sternenscheins.
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Da war nicht Jude mehr und Heide,
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Sie waren Beid'
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Zu
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Vom Engel die, und die vom Stern.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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